Evangelischen obergymnasiums, Bistritz, 1873
30 seine Pflicht als Bürger seiner Vaterstadt. Dies bewies er als Vorstand des Gesellenvereins, durch dessen kluge und umsichtige Leitung er eine die Wohlfahrt unseres Gewerbestandes sichernde Zukunft zu begründen beabsichtigte. Auf seine Anregung veranstaltete unser Gesellenverein die erste gewerbliche Ausstellung, in der sich das Streben nach Verbesserung und Vervollkommung der gewerblichen Erzeugnisse — eine unbedingte Forderung der vorwärtseilenden Zeit — in erfreulicher Weise kund that. Seine Bürgerpflicht erfüllte er aber auch als treuer Sohn seiner Nation in der DistriktScommunität, deren Mitglied er war. In kühner Rede, die nur das Wahre und Edle anerkennt und will, und die von treuer Ueberzeugung durchdrungen sich der allgemeinen Zustimmung erfreut, trat er ein, wenn es galt, die Ehre und die Rechte der Nation im Kampfe gegen feindliche Bestrebungen und Angriffe zu wahren und zu retten. So erscheint uns Kramer in seiner Lehrerthätigkeit, bei seinem eifrigen Studium der vaterländischen Geschichte, in der Erfüllung seiner Bürgerpflicht als ein wahrer, treuer Sohn seines Volkes, dessen Ehre und Zukunst ihm als das Höchste dastand, und für die er mit Liebe und Begeisterung, mit ausdauerndem Fleiße und echtem Mannesstolz immer eintrat. Ja gewiß, sein Herz schlug warm und innig für sein Volk, sein Geist, der so schrecklich unerwartet dem rüstigen Körper sich entrang, er war so recht geschaffen, für's Edle, Wahre, Schöne zu erglühen, mit reichen Gaben in rüstiger Manneskrafl zu wirken und zu schaffen, in's edle Menschenleben das schönste Denkmal hinzusetzen. Ihm dies aber auch selbst zu erhalten, ihm mit dem Besten, was wir haben, das Köstlichste, das er uns gab, zurückzuzahlen, mit einem Wort, ihm im Grund der Seele ein bleibendes Andenken treu und rein zu bewahren, das sei uns Ueberlebenden eine heilige Pflicht, das sei ein Zoll jener dankbaren Anerkennung, die wir dem Entschlafenen auch über das Grab hinaus zu erhalten haben.