Urbs - Magyar várostörténeti évkönyv 7. (Budapest, 2012)

Recenziók

622 Resümee ihn heute eher als Mühleneigentümer und Mehlhändler bezeichnen, also keineswegs als durchschnittlichen Ofener Handwerker. Die Handwerker, insbesondere diejenigen, die mit dem Baugewerbe in Verbin­dung standen, konnten ihre Stimmen im Äußeren Rat verlauten lassen. Gegenüber den „Rats-Oligarchen” bedeutete dies allerdings nicht viel, da sie bei den Entscheidungen des Rats keinerlei Mitspracherecht hatten. Der Titel „Äußerer Rat” signalisierte in der Praxis vor allem die „Ratsfahigkeit” der betreffenden Person bzw. seine Verpflichtung gegenüber dem Magistrat mit Blick auf die übrigen Städte. Ein Äußerer Rat konnte für sämtliche städtischen Positionen (Vizekämmerer, Geschworener, Viertelmeister usw.) vorgeschlagen werden und erhielt häufig verschiedene öffentliche Aufgaben (Vormund, Ausschussmitglied, Wertschätzer usw.) und städtische Aufträge, für die ihm eine Be­zahlung zustand. Seit den letzten Jahren des Rákóczi-Freiheitskampfes verstärkten sich - infolge der die gesamte städtische Gesellschaft schwer belastenden Wirtschaftskrise und dann der drei, unter dem Zeichen von Naturkatastrophen (Pest und Hochwasser) stehenden Jahre - im Äußeren Rat und in den Reihen der Bevölkerung Stimmen, die den Magistrat kriti­sierten. Die dem Herrscher zugeleiteten Klagen des Bürgertums verfassten die Äußeren Räte, die ein Bündnis mit den unzufriedenen Bürgern - hauptsächlich mit den übergan­genen wohlhabenden Handwerkern — eingingen. Bei der Aufzählung der Unbilligkeiten der Bürger wurde den Nachteilen, die die Zunftmeister erfahren hatten, besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das mit der Tätigkeit des Inneren Rats unzufriedene Bürgertum, die sogenannte Bürgerliche Partei oder - unter einem anderen Namen - die „arme Comunität”, fand schließlich in den 1710er Jahren in dem Gerber Wilhelm Matthy und seinem Halbbru­der kompetente Führer. Matthy, der in derselben materiellen Situation war wie die Mit­glieder des Inneren Rats und der über Handelsbeziehungen, die über die Landesgrenzen hinausreichten, verfügte, galt wegen seines Berufs als nicht „ratsfahig”. Der jüngere Matthy hatte im Jahre 1722, während sein älterer Bruder und sein Schwager in Wien gegen den Magistrat agitierten (so, wie dies einst der Zimmermann Stöckel im Interes­se von Bösinger getan hatte), beinahe einen Aufstand in der Stadt ausgelöst. Die Posi­tion eines Wortführers errang der ältere Matthy Ende der 1720er Jahre. Und in dieser Funktion forderte er unablässig eine Untersuchung des Herrschers zur Aufdeckung der Missbräuche durch die Räte. Den Bestrebungen, die unbeschränkte Macht der Inneren Räte zu beschränken, war schließlich im Jahre 1713 Erfolg beschieden.

Next

/
Thumbnails
Contents