Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Pest-Buda von 1686 bis 1849

der Pester Revolution ins Leben gerufen. Vom Rathaus zogen bereits rund 20 000 Menschen nach Buda und zwangen die Statthalterei zur Annahme der 12 Punkte, zur Abschaffung der Zensur und zur Freilassung des wegen Pressevergehens eingesperrten Mihály Táncsics. Der revolutionären Straßenkundgebung des 15. März 1848 hatte die Masse der Pester Bevölkerung Wirksamkeit verliehen, die sich den jungen Intellektuellen und Universitäts­studenten angeschlossen hatte. Während der ersten Monate der Revolution erzielten die Pester Massenbewegungen im Kampf gegen die vom Wiener Hof mobilisierte Reaktion wesentliche Erfolge. Sie initiierten die ergebnisreiche Arbeit des mit der Liquidation des Feudalsystems beauftragten Landtages. Als dann die Wiener Regierung im Herbst 1848, nachdem die revolutionäre Sturmflut in West- und Mitteleuropa verebbt war, die Zeit für gekommen sah, den ungarischen Freiheitskampf mit Waffengewalt zu unterdrücken, war es wieder die Pester Bevölkerung, unter deren Druck die nationale Regierung die Ver­teidigung des Landes organisierte, ganz zu schweigen von der wirksamen Hilfe, die die Hauptstadt durch Freiwillige und durch Lieferung von Waffen, Uniformen und ander­weitigen Ausrüstungen dem ungarischen Freiheitskampf leistete. Bis zur Verlegung des Regierungssitzes nach Debrecen war Pest die politische und militärische Basis des nationalen Widerstandes. Deshalb mußte es die Vergeltungsmaßnahmen der Anfang Januar 1849 einrückenden kaiserlichen Truppen und bei der Rückeroberung im Frühjahr desselben Jahres die vom österreichischen General Hentzi befohlene schwere Kanonade über sich ergehen lassen, der zahlreiche alte Gebäude am Pester Donaukai, in der Innenstadt, der Leopold- und Theresienstadt zum Opfer fielen. Ab April 1848 war Pest Sitz der im Ergebnis der Revolution zustandegekommenen ersten unabhängigen ungarischen Regierung. Hier tagte im Sommer 1848 das erste aus Volks­vertretern zusammengesetzte ungarische Parlament. Damit hatten Pest und Buda in jeder Hinsicht ihre Stellung und Funktion als Landeshauptstadt wiedererlangt. Dank seiner weit rascheren wirtschaftlichen Entwicklung hatte seit Ende des 18. Jahr­hunderts unter den beiden Schwesternstädten Pest die führende Rolle übernommen, obwohl offiziell nach wie vor Buda als Hauptstadt Ungarns galt und mit Recht konnte man sagen, daß die beiden noch selbständigen Städte die Funktionen der Landeshauptstadt gemeinsam wahrnahmen. Es ist durchaus kein Zufall, daß sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts bei den Zeitgenossen der Doppelname Pest-Buda, bzw. Budapest als untrennbarer Begriff immer fester einbürgerte, und daß die Forderung nach ihrer tatsächlichen Vereinigung zur Landesmetropole immer dringlicher wurde. Den organischen Zusammenschluß hatte bis 1849 in erster Linie die natürliche Trennung durch die Donau verhindert, da bis zu diesem Zeitpunkt nur Pontonbrücken und Fähren die Verbindung zwischen den beiden Städten — und mittelbar auch zwischen Ost- und Westungarn — hergestellt hatten. Während des winterlichen Eistreibens waren aber Buda und Pest völlig voneinander getrennt. Die Her­stellung einer Dauerverbindung war somit die unabdingbare Voraussetzung für ihre Ver­einigung. Auf Initiative des in der Entwicklung zur Hauptstadt eine herausragende Rolle spielenden Reformpolitikers István Széchenyi wurde deshalb 1839 der Bau der ersten stän­digen Brücke begonnen, deren Pläne von dem englischen Brückenbauingenieur William Tierney Clark angefertigt worden waren. Die Kettenbrücke wurde 1849 ihrer Bestimmung übergeben, womit das Hindernis einer Vereinigung der beiden Städte beseitigt war. Eine der letzten Verfügungen der ungarischen Revolutionsregierung war die am 24. Juni 1849 beschlossene Zusammenlegung von Buda, Pest und Óbuda zur neuen Hauptstadt Budapest. 39

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