Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Dokumentensammlung

Ungefähr 35 Prozent der Straßen der Stadt wurden während der Belagerung zerschossen. Davon konnten etwa 90 Prozent ausgebessert werden. Wir bereiten uns auch auf einen großzügigen Wiederaufbau der Stadt vor. Budapest wird neu vermessen, die total vernichtete Grundbuchführung wird wieder aufgenommen, und allmählich wird auch der Plan zum Neuaufbau Budapests begonnen. Wenn wir schon — bedauerlicherweise — vom faschisti­schen Krieg so schwer betroffen wurden, dann soll es im neuen Budapest keine engen Straßen und ungesunden Häuser mehr geben, der Mangel an Grünanlagen und Plätzen wird behoben, und dem verwahrlosten Aussehen der öffentlichen Gebäude und Institutionen soll ein Ende gemacht werden. Im Wiederaufbau konnten auch die Leiter und Arbeiter der Verkehrsbetriebe bedeutende Erfolge für sich buchen. Im Mai beförderten die elektrischen Straßenbahnen täglich 301 539 Personen. Im Oktober betrug die Tagesleistung 1 705 723 Personen, was natürlich nur mit dem Ausbau des Schienennetzes und dem Einsatz neuer Wagen erreicht werden konnte. Im Mai waren 394 Wagen in Betrieb, im November dagegen mehr als 1000. Die Lasten­beförderung durch die elektrischen Straßenbahnen lag wesentlich höher als in der Vorkriegs­zeit, und das spielt heute im Wiederaufbauplan Budapests eine wesentliche Rolle. Die elektrischen Straßenbahnen transportierten große Mengen Holz, Kohle und Lebensmittel, insgesamt ca. 7000 Waggons... Im Rahmen unserer Möglichkeiten bemühten wir uns, auch bei der Lösung sozialpoli­tischer Fragen der Hauptstadt Erfolge zu erzielen. Von Mai bis Oktober wurde die Zahl der Anstalten für Mutter- und Säuglingsschutz von 6 auf 13 und die der Kleinkinderheime von 25 auf 77 erhöht. Von den 17 Fürsorgeheimen, die aus der Vorkriegszeit in den Bezirken bestanden, wurden 2 vollständig zerstört und 15 beschädigt. Trotzdem gelang es, ihre Zahl bis September auf 23 zu erhöhen. Mit der Einführung der Volksfürsorge werden bis jetzt 20 750 Familien betreut. Eine Volksherberge mit 317 Betten wurde eröffnet. In den Alters­heimen gibt es gegenwärtig 1084 Plätze. Wir trugen auch dafür Sorge, daß die am Wieder­aufbau mitwirkenden Arbeiter warmes Essen erhalten. Wir richteten 215 Betriebsküchen ein, in denen mehrere Millionen Portionen Mittagessen verteilt wurden. Für die Zukunft Budapests ist es unbedingt notwendig, unsere großen Heilbäder und bekannten Heilquellen möglichst bald in Ordnung zu bringen. Im Mai dieses Jahres waren das St.-Gellért-Bad zu 30 Prozent, das Gellért-Hotel zu 70 Prozent, das Rudasbad zu 70 Prozent, der Mineralwasser-Abfüllbetrieb zu 50 Prozent, das St.-Imre-Bad zu 80 Prozent und das Széchenyibad zu ungefähr 10 Prozent beschädigt. Heute sind alle Heilbäder und Heilquellen der Stadt in Betrieb. Die Instandsetzungsarbeiten werden überall fortgesetzt. Wir bemühten uns gleichfalls, das Schulwesen in Ordnung zu bringen und neu zu orga­nisieren. Im Mai gab es 42 funktionsfähige Schulen, im November waren es 118. Die Zahl der benutzbaren Klassenräume betrug 520 und im November 1616. Die Zahl der Schüler betrug im Mai 31 253, im November 65 871. Die Zahl der tätigen Lehrkräfte stieg von Mai bis November von 1716 auf 3914. Ich kann voller Stolz mitteilen, daß der Wiederaufbau und die Organisierung des Schul­unterrichts in den von der Stadt verwalteten Schulen sehr viel schneller vorangeht als in den staatlichen Schulen der Hauptstadt. Wir haben alles darangesetzt, die kulturellen Möglichkeiten zu erweitern. Die Tätigkeit der Volksbildungszentrale wurde gefördert, die Filialen der Hauptstädtischen Bibliothek wurden vervielfacht, die Hauptstädtische Bibliothek mit einer niveauvollen Ausstellung 129

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