Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

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in die Hände des Volkes gelangt, ist es dann nicht vom größten Interesse für die ungarische Gesellschaft und die Hauptstadt, daß das Volk möglichst bald eine Bildungsstufe erreicht, auf der es die gemeinsamen Ziele richtig beurteilen und auch auf die öffentlichen Belange einen fruchtbaren Einfluß auszuüben vermag? Ich glaube, daß die mit Unterstützung der verehrten Generalversammlung im Interesse der Volkskultur gebrachten Opfer der Haupt­stadt in Zukunft noch bessere Früchte tragen werden. Eine solche weittragende, starke, dauerhafte kulturelle Arbeit ist der sicherste Garant und das sicherste Mittel, ein großes, mächtiges, glückliches Budapest und ein wirtschaftlich und politisch unabhängiges Ungarn zu schaffen. Budapest Főváros Levéltára, Közgyűlési jegyzőkönyv (Archiv der Hauptstadt Budapest. Protokoll der Generalversammlung), 19. Juni 1906. XIII. Auszüge aus der ministeriellen Motivierung des Gesetzartikels 29 vom Jahre 1908 .. .Am krassesten sind die Mißstände in den Wohnungsverhältnissen der Haupt- und Residenzstadt. Es ist allbekannt, daß in der Haupt- und Residenzstadt Budapest in den letzten Jahren große Wohnungsnot besteht. Außer anderen ökonomischen Ursachen muß in erster Linie dieser Zustand den nicht nur rapide, sondern geradezu in abnormen Aus­maßen angestiegenen Wohnungsmieten zugeschrieben werden. Es genügt darauf hinzu­weisen, daß die Wohnungsmieten in Budapest in den letzten drei Jahren um 14 Millionen Kronen gestiegen sind, während in der gleichen Zeitspanne die Zahl der Mietsobjekte und im allgemeinen der Wohnungen infolge des völligen Stillstandes der Bauarbeiten nur in geringem Maß zugenommen hat. Wahrscheinlich läßt sich zum großen Teil darin die Er­klärung des Tatbestandes finden, daß die Ausgaben der Bürger der Haupt- und Residenz­stadt für Wohnungen in den meisten Fällen in keinem Verhältnis zu den Verdienstmöglich­keiten stehen. Doch diese Wohnungsnot durch den ungeheueren Anstieg der Bevölkerung der Haupt- und Residenzstadt hat außer zu der unverhältnismäßigen Steigerung der Mieten zu einer weiteren Anomalie geführt: zur Überbelegung der Wohnungen. ‘Es ist nur natür­lich, daß von den schwerwiegenden Folgen dieser Wohnungsnot, den zahllosen Mißständen der teuren und unzulänglichen Wohnungen diejenigen Volksklassen am empfindlichsten betroffen werden, deren beschränkte materielle Mittel keine Möglichkeit lassen, sich dagegen zu wehren. Ein Teil unserer Arbeiter, die durch höhere Einkünfte die Fahrkosten tragen können, floh in die benachbarten Gemeinden, wo die gesteigerte Nachfrage ebenfalls eine unmäßige Wohnungsteuerung nach sich zog. Ein anderer, wahrscheinlich sogar größerer Teil war gezwungen, sich allen Zwangslagen zu unterwerfen. Keller, Dachböden, Ställe und die unvorstellbarsten Formen von zusammengezimmerten Schuppen zur Unterbrin­gung von Tieren wurden zu Asylen für Menschen. Ein Bett benutzen vier oder fünf Perso­nen, und ein Zimmer dient häufig fünfzehn bis zwanzig Menschen als Nachtasyl. Es ist denkbar, daß dort, wo eine derart große Nachfrage besteht, der findige, oft herzlose Geschäftsgeist nicht untätig bleibt. Auch bei uns hat diese Lage einen Mietwucher mit all seinem Elend hervorgerufen. Dort, wo ein bedeutender Teil der Fabrik-, Industrie- und anderen Arbeiter solchen Wohnungsverhältnissen ausgesetzt ist, sind die Familie, die 106

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