Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Die Regulierung der Donau und die Kaianlagen

80 Südlich der Margareteninsel wird die Donau stufenweise schmäler, beim steilen Gellértberg (der direkt zum Ufer abfällt) ist sie kaum noch 300 Meter breit. Etwas nördlich von dieser Verengung war der Punkt, der bereits in vorgeschichtlicher Zeit für die Überquerung am besten geeignet war; deshalb lagen genau hier, an beiden Ufern des Stroms Siedlungen. Unter dem Gellértberg breitete sich die Donau auf dreifache Weite aus, sie wurde flacher und voller Sandbänke, ihr Lauf langsamer. Dieses Faktum erschwerte nicht nur die Schifffahrt, es vergrößerte auch die Gefahr des Eisstoßes und damit der Flut bedeutend. Der Strom trat regelmäßig aus den Ufern, allein im 18. Jahrhundert wurden 23 Fluten verzeichnet. (Dank der Anstrengungen des Hochwasser­schutzes wurden im 19. Jahrhundert nur 13 und im 20. Jahrhundert nur noch sieben Fluten registriert.) Die ersten Wasserschutzbauten. Der Einfluss der großen Überschwemmung Gegen 1800 zeigten die Ofener und Pester Donauufer kaum ein anderes Bild als im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit: ein unregelmäßiges Flussbett, direkt am Ufer stehende Häuser, fehlende Dämme, unbebaute Ufer. Nach der - für lange Zeit als größte betrachteten - Flut von 1775 fing man mit dem Ausbau der Schutzwerke an, sie konnten aber der nächsten großen Flut von 1799 nicht standhalten. Danach begann man mit dem Bau von Wehranlagen: Von Norden beschützte der Damm der Väcistraße, von Süden der Damm der Soroksäristraße die Stadt. In Ofen wurden ähnliche Bauten nicht angelegt. Der erste Ofener Wasserschutzbau wurde 1831 nach den Plänen des bekannten Ofener Baumeisters József Dankó errichtet, jedoch nicht zum Schutz eines dicht bevölkerten Stadtteiles, sondern zum Schutz einer Straße: Bis zur Jahrhundert­wende stand er entlang der Straße, die zwischen der am Fuße des Gellértberges stehenden Hausreihe und der Donau verlief. Die enormen Zerstörungen der Überschwemmung von 1838 hatten die Öffentlichkeit schockiert und eine lebhafte Diskussion darüber ausgelöst, was die Ursache sein und wie man eine Wiederholung der Katastrophe verhindern könnte. Im Wesentlichen waren sich alle darin einig, dass die Ursache der großen Flut nicht bloß der hohe Wasserstand war, sondern auch der Eisstoß an der Spitze der Csepel-Insel, der das Flussbett blockierte. Diese Gefahr hätte mit der Verengung des zu weiten Bettes unter dem Gellértberg, mit der Beseitigung der Schwellen, mit der Verstärkung der Drift des Wassers, also in erster Linie mit der Regulierung der unteren Donaustrecke abgelenkt werden können. Ein Konsens wurde auch in der Frage erzielt, dass es nicht genüge, den kritischen Abschnitt zu regulieren, sondern nur eine Regulierung, die beide Städte, ja sogar ihr Umland betraf, eine Lösung bedeuten konnte. Über das Wie gingen die Meinungen aber schon sehr auseinander. Die wunderlichste Lösung schlug der bedeutendste Wasserbauingenieur der Zeit, Pál Vásárhelyi, in seiner Dissertation mit dem Titel „Die Budapester stehende Brücke betreffend” vor: Er

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