Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Katalog - Budapest

219 1869 nur durch Brunnen, einige artesischen Brunnen und nicht zuletzt durch die „Wassermänner“ gesichert, die das aus der Donau geschöpfte Wasser ausschenkten. Das erste, provisorische Pester Wasserwerk stand am Platz des späteren Parlaments und wurde im November 1869 in Betrieb genommen. Das Speicherbecken wurde in Kőbánya in etwa 40 m Höhe über dem Donauspiegel angelegt. Das provisorische Wasserwerk, das zu Beginn des Baus des Parlaments neben der Margaretenbrücke errichtet wurde, konnte auch am Anfang der 1890er Jahre bloß den inneren Bereich des dicht verbauten Gebiets mit Wasser von natürlicher Filtrierung und guter Qualität versorgen. Die äußeren Zonen bekamen nur Wasser von schlechter Qualität und künstlicher Filtrierung, und die Vorstädte erhielten nur ungefiltertes Wasser aus der Donau. Das spielte eine große Rolle bei den wiederholt auftretenden Cholera­­und Typhusepidemien. Im Sommer trat auch regelmäßig eine Wassernot auf. Die Choleraepidemie von 1892/93 gab den letzten Anstoß dafür, dass nach langen Diskussionen und Planungsarbeiten das ständige Wasserwerk in Káposztásmegy er, an der nördlichen Grenze der Stadt gebaut wurde. Das Wasserwerk mit einer Kapazität von 180.000 Kubikmetern pro Tag wurde in mehreren Stufen errichtet. Es wurde bis 1904 völlig fertiggestellt. Das Wasser wurde durch zwei Hauptsauf Steigrohre von 1,2 m Durchmesser bis zum Großring geleitet. Das neue Ausgleichsbecken, das die innere Zone Pests versorgte, wurde auf dem Hang des Gellértberges angelegt, der äußeren Zone diente weiterhin das Sammelbecken von Kőbánya. Das Wasserwerk der Ofener Seite wurde 1881/82 am Ufer von Újlak fertig. Bis zum Jahre 1892 stand es durch die Margaretenbrücke mit dem Pester Leitungsnetz in Verbindung, um wegen der dortigen schweren Wassernot das Wasser auch zum Linksufer leiten zu können. Im Jahr 1870 verfügte ein Fünftel, 1880 ungefähr ein Viertel der Häuser über Wasserleitungsanschlüsse, bis zum Jahr 1900 waren es vier Fünftel. Die Versorgung des innerstädtischen Gebietes - mit Ausnahme einiger Gebirgszonen des I. Bezirks und eines Teils von Óbuda - war fast vollständig. Dies bedeutete aber nicht, dass die Wasserhähne in den Wohnungen auch in einem so guten Verhältnis vorhanden waren. Auch noch 1910 gab es nur in etwa zwei Drittel der Wohnungen und kaum in der Hälfte der Einzimmerwohnungen (die die Mehrheit des Wohnungsbestands ausmachten) Leitungswasser. Ludwig Förster, Über die Wichtigkeit der Wasserversorgung der Städte und insbesondere über die Vortheile einer vollständigen Wasser-Werks-Anlage für Pest, 1857 (Titelseite). BTM 13.169.54 Grundriss des Standorts des Schiffamtes mit dem provisorischen Wasserwerk von Pests, 1868. BTM 66.189.4

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