Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
András Sipos: Bürgermeister István Barczy und die sozialen Bauprojekte in Budapest am Anfang des 20. Jahrhunderts
197 András Sipos Bürgermeister István Bárczy und die öffentlichen sozialen Bauprojekte in Budapest am Anfang des 20. Jahrhunderts Das letzte halbe Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg öffnete eine neue Zeit in der Baugeschichte Budapests: die Zeit des massierten öffentlichen Wohnungsbaus. Die staatlichen und kommunalen Repräsentanten, die sich der sozialen Reformpolitik verpflichtet fühlten, bewirkten die Annahme eines öffentlichen Wohnbauprogramms, dessen Ausmaße im damaligen Europa völlig ungewohnt waren. Der Gesetzesartikel Nr. XXIX aus dem Jahre 1909 ordnete den Bau von 10.000 Arbeiterwohnungen im Rahmen einer staatlichen Investition an. Eine Arbeitersiedlung wurde auf dem Ohegy im Stadtviertel Kőbánya geplant, doch dieses Projekt scheiterte aufgrund der hohen Grundstückspreise. Aber außerhalb des Gebiets der Hauptstadt, im Raum von Kispest, begann die Bautätigkeit im Jahr 1909, und in der Wekerle-Siedlung - benannt nach dem Anreger, Ministerpräsident und Finanzminister Sándor Wekerle - wurden bis zum Jahre 1914 insgesamt 3.657 Wohnungen fertiggestellt. Nach den ursprünglichen Vorstellungen von Wekerle hätte die staatliche Arbeitersiedlung von Kispest den Durchbruch bedeuten sollen, dem am Stadtrand und in der unmittelbaren Umgebung Reihen von Kleinwohnungssiedlungen gefolgt wären. Diese Kleinwohnungssiedlungen hätten dem Gartenstadtideal folgen sollen. Ebenfalls 1909 begann die Hauptstadt mit dem Massenwohnbau auf städtischem Gebiet. Der Plan, der im Frühling jenes Jahres von der Stadtverordnetenversammlung angenommen worden war, setzte als Ziel den Bau von ungefähr 5.000 Wohnungen in fünf Jahren, zum größten Teil wurde dies auch - wenigstens im Sinne der Quantität - erreicht. Zwischen 1909 und 1913 entstanden in 25 Miethäusem und 17 Kleinwohnungssiedlungen insgesamt 4.816 neue Mietobjekte. Gleichzeitig zum Wohnungsprogramm wurde von der Hauptstadt auch ein großangelegtes Schulbauprogramm in die Wege geleitet; die Durchführung der beiden Programme lief parallel zueinander ab. In dessen Rahmen wurden 36 Schulgebäude, 15 Schulbaracken und vier Schulanbauten mit insgesamt 967 neuen Klassenräumen errichtet, mit denen auch 24 Kindergärten verbunden waren. Diese Bauaktion der Hauptstadt stellte eine außergewöhnliche Leistung dar. Durch das Heranziehen der besten Architekten der Zeit entstand auch ein formenreicher und niveauvoller Gebäudebestand. Während des zum größten