Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Eva Offenthaler: Gasgebrauch und Gasversorgung in Wien
173 Eva Offenthaler Gasgebrauch und Gasversorgung in Wien Als Josef Moser (1779-1863), Apotheker „Zum Goldenen Löwen“ in der Wiener Josefstadt, im Jahre 1816 daran ging, die Schaufenster seines Geschäftes mit aus Erdharz gewonnenem Gas zu beleuchten, sorgte das für beträchtliches Aufsehen. Sogar Mitglieder des Hofes kamen, um diese Neuheit zu bestaunen. Zwar lässt sich der Gebrauch von Gas zu Beleuchtungszwecken in Wien bis 1802 zurückverfolgen, als Zacharias Andreas Winzler Experimente mit der „Thermolampe“, einem kleinen Gaserzeuger für die Beleuchtung einzelner Räume, durchführte, doch begann sich diese Energiequelle nur langsam durchzusetzen. Ein wichtiger Wegbereiter für die Gasverwendung in Wien war Johann Josef Ritter von Prechtl (1778-1854), Direktor des k. k. polytechnischen Instituts, der 1818 einen Versuch zur öffentlichen Straßenbeleuchtung unternahm - den ersten auf dem europäischen Festland. Gemeinsam mit Johann Arzberger (1778-1835) errichtete er 25 Kandelaber, die die Walfischgasse, die Krugerstraße und einen Teil der Kärntner Straße erhellen sollten. Versuche, die Prechtl zuvor am Polytechnikum durchgeführt hatte, hatten ihn die Vorzüge der Gasbeleuchtung erkennen lassen: Es brennt immer stet und mit gleichförmigem Lichte, braucht weder Putzen noch Nachhilfe; so dass Nachts besser dabei zu lesen und zu schreiben ist, als bei den besten Wachskerzen, und Unterzeichneter (Prechtl) das gegenwärtige Gaslicht seines Schreibtisches gegen Wachskerzen nicht mehr vertauschen möchte.1 Von den Vorteilen der Gas- gegenüber der damals gebräuchlichen Ölbeleuchtung überzeugt, setzte Prechtl sich für die Verwendung in der Straßenbeleuchtung ein. Für die Beleuchtungsprobe benutzte er Steinkohlengas (die dazu nötige Erzeugungsanlage war in einer Kasematte nahe dem Kämtnertor untergebracht), und die Versorgung der Laternen erfolgte über eine ca. 450 m lange Bleileitung - die erste in öffentlichen Verkehrswegen verlegte Gasleitung. In den kommenden Jahren gab es weitere - erfolglose - Versuche, unter anderem die von einem englischen Ingenieur geleitete Beleuchtungsprobe im Bereich Teinfaltstraße, Löwelstraße, auf der Josefstädter Brücke und einem Teil der anschließenden Glacis-Allee im Jahr 1826, bei der 15 Lampen eingesetzt wurden. 1 1 Zitiert nach: Alexander Bauer, Die ersten Versuche zur Einführung der Gasbeleuchtung in Österreich. Wien 1891, 23