Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest

163 Ferenc Vadas Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest Die Entwicklung oder das Zurückbleiben der Urbanisation lässt sich am besten am Entwicklungsstand, dem Ausmaß und technischen Standard der Kommunalbetriebe ermessen. Wasserleitung und Stadtentwässerung, Straßenbeleuchtung und Straßenpflasterung sind weniger spektakuläre Faktoren der Stadtentwicklung, die dennoch zu den wichtigsten gehören, ihr Zustand zeitigt eine direkte Einwirkung auf das Alltagsleben der gesamten Bevölkerung, auf das Gesundheitswesen und die Effektivität der Wirtschaft. Die Entwicklung der Kommunalbetriebe, die in der präkapitalistischen Zeit teilweise überhaupt nicht und teilweise nur in Anfängen existierten, die Verbreitung ihrer modernen Instrumente und der Ausbau ihrer Infrastruktur gehörten zu den wichtigsten Aufgaben der Modernisierung im Lauf des 19. Jahrhunderts. Für die Lösung dieser Aufgaben gab es zwei Möglichkeiten: entweder führt sie die Stadt selbst durch, oder sie über trägt sie Privatuntemehmen und beschränkt sich auf die behördliche Aufsicht. Das Wasserleitungsnetz, die Kanalisation und der Straßenbelag waren stets kommunale Aufgaben, mit dem Ausbau und Betrieb der Gas- und elektrischen Netze wurden aber im 19. Jahrhundert Privatuntemehmen beauftragt. Wahrscheinlich sind der bedeutende Kapitalinvestitionsbedarf und das Risiko, das die Einführung der modernen und komplizierten Technologie mit sich brachte, die Erklärung dafür, dass die Stadtfühmng (nicht nur hier, sondern auch anderswo) sich davor hütete, diese Investitionen selbst zu tätigen. Dann, am Anfang des 20. Jahrhunderts, löste die Stadt - im Sinne einer Kommunalisierungspolitik - diese Unternehmen ab und übernahm vor dem Ersten Weltkrieg auch selbst den erforderlichen Bau neuer Objekte. Der Beginn der Gasversorgung. Das erste Gaswerk Die öffentliche Straßenbeleuchtung, mit Öllampen, existierte in der ungarischen Hauptstadt seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Obwohl schon am Anfang des 19. Jahrhunderts Versuche mit der Gasbeleuchtung gemacht wurden, wurde ihre Einführung erst um die Mitte des Jahrhunderts angeregt. Die Behörde der Stadt Pest führte 1846 und 1850 erfolglose Gespräche mit verschiedenen Investorengruppen, und zu Ende 1854 schrieb der Rat einen Wettbewerb für die Verwirklichung der Gasbeleuchtung aus. Die Gewinner des Wettbewerbs gründeten die Allgemeine Österreichische Gasbeleuchtungs-Gesellschaft mit Sitz in Triest. Die Stadt schloss den Vertrag mit der Gesellschaft 1855 ab, ursprünglich für 25 Jahre, was später auch zweimal verlängert wurde. Im Jahr

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