Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Peter Csendes: Markthallen in Wien
160 Westeuropäischem Vorbild folgte die Errichtung gedeckter Markthallen. In einer Privatinitiative ließ 1864 eine Gesellschaft von Trödlern auf dem Glacis bei der Rossau eine Halle errichten, die der bedeutende Architekt Heinrich Förster entworfen hatte: den Tandelmarkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Halle schwerbeschädigt und 1948 abgetragen. In den Jahren 1864/65 errichtete die Stadt eine, ursprünglich als Zentralmarkthalle konzipierte Großmarkthalle im 3. Bezirk, an der Lastenstraße gelegen und mit der Verbindungsbahn, später der Stadtbahn, erreichbar. Die Pläne wurden im Stadtbauamt von dessen Vizedirektor Karl Gabriel ausgearbeitet. Auf einer Grundfläche von 4450 m2 entstand über einem rechteckigen Grundriss ein Ziegelbau mit gusseisernen Stützpfeilern und schmiedeisemen Elementen. An den vier Ecken befanden sich Pavillons, die mit der zentralen Halle verbunden waren. 1896 wurde eine moderne Kühlanlage eingebaut. Von der großen Halle führte eine 64 m lange gedeckte Eisenbrücke über die Bahngleise zur Fleischhalle, die für importierte Fleischwaren errichtet wurde. Dieser benachbart und mit ihr im Souterrain verbunden, stand die Viktualienhalle, die dem Großhandel, im Obergeschoss teilweise auch dem Detailhandel gewidmet war. Der gesamte Hallenkomplex umfasste ein Areal von 8369 m2. Die Großmarkthalle wurde 1972 aufgegeben und abgerissen, Viktualien- und Fleischhalle durch einen Neubau ersetzt, der auch Marktfunktionen übernommen hat. Neben der Großmarkthalle besaß die Stadt Wien am Beginn des 20. Jahrhunderts sechs Detailmarkthallen. Zwei davon lagen im 1. Bezirk auf Stadterweiterungsgründen östlich (Zedlitzgasse) und westlich (Stadiongasse) des Zentrums, die anderen verteilten sich auf die Bezirke 4 (Phorusplatz), 6 (Esterhazygasse), 7 (Burggasse) und 9 (Nussdorfer Straße). Allein die letztgenannte ist noch erhalten. Die Zedlitzhalle, 1870/71 auf dem ehemaligen Stadtgraben von Oberingenieur Georg Haussmann errichtet, folgte dem Vorbild der Pariser Markthallen. Ihrem System entsprechend, wurde über einem zweigeschossigen Keller auf einem 2 m hohen gemauerten Sockel ein freistehender Bau aus Eisen und Glas aufgeführt. Die Dachkonstruktion war frei sichtbar. Die Halle nahm 218 Verkaufsstände auf. Im Jahr 1900, ihre Bedeutung war zurückgegangen, wurde ein Teil der Markthalle zur Heimstätte der Künstlervereinigung „Hagenbund“. Die Zedlitzhalle wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1965 abgerissen. Die Detailmarkthalle in der Stadiongasse entstand 1880 auf dem ehemaligen Paradeplatz als ein freistehender gemauerter Bau mit eiserner Dachkonstruktion. Das Gebäude von Friedrich Paul, Baurat im Stadtbauamt, war in ein Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen gegliedert. 1949-1954 baute man die Halle in ein Kino um, das 1972 abgerissen wurde und einem Amtsgebäude Platz machte. Gleichfalls 1880 wurde die Phorushalle, ebenfalls nach Plänen von Paul, erbaut, ebenfalls als freistehendes, dreischiffiges Gebäude. In diesem Fall wurde in einem bereits dicht verbauten Gebiet eine Platzanlage für den