Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen
156 einzigartig. Weil die drei inneren Schiffe - ähnlich wie bei den anderen Hallen - basilikal gestaltet sind, erhielten die äußeren eine, im Industriebau häufige, Eindeckung mit einem Sägedach. Die Schedfenster blicken im Interesse einer ausgeglichenen Belichtung nach Norden, ausgenommen die in dem kürzeren Henkel der T-Form, die meistens eine senkrechte Orientierung haben. Der Kreuzungspunkt der verschiedenen Eindeckungen ist der schönste Teil des Daches. Die Hauptfront ist auch hier hinter einem Miethaus versteckt, aber tiefer als bei den anderen Hallen, denn hier ist ein Hof als Atrium der mittleren drei Schiffe der Halle vorgelagert. Aufgrund der Breite der hinteren, niedrigen Front hat sie in der schmalen Straße an sich eine ungünstige Erscheinung, die man durch die Betonung der Seiteneingänge zu mildem trachtete.. Von den Zeitgenossen wurde die Halle am Rákócziplatz als die schönste erachtet, die einzige, die einen ganzen Hausblock umfasst und so auf vier Straßen blickt. Auf dem fast quadratischen Grundstück wurden zwei einander in der Form eines griechischen Kreuzes schneidende, stufenförmig steigende fünfschiffige Hallen errichtet. Sie hat keinen Konnex zu einem Miethaus, einige Wohnungen wurden im Obergeschoss der in den Ecken des Grundstücks befindlichen Pavillons untergebracht. Diese Disposition zitiert in großen Zügen und in schlichterer Ausführung jene der Industriehalle, die ein Jahrzehnt zuvor im Stadtwäldchen erbaut worden war. Die Durchdringung der Querausläufe ist auch hier gut betont, aber anstelle einer Kuppel durch einen quadratisch herausragenden Teil. Die Popularität der Lösung zeigt, dass ein Jahrzehnt später der ungarische Architekt Gyula Sándy den Wettbewerb um die Markthallen in Sofia mit einem Entwurf von gleicher Konzeption, jedoch im Jugendstil, gewann. Markthalle in Ofen Der Hallenbau am rechten Ufer der Donau wurde auf Grund der Bodenverhältnisse, der niedrigeren Bevölkerungsanzahl und des Tempos der Stadtentwicklung (das hier bedeutend langsamer war als am rechten Ufer) ebenfalls verzögert. Obwohl man lange Zeit mit mehreren Ofener Markthallen rechnete, wurde schließlich nur eine gebaut, und auch diese sehr verspätet. Es war von Anfang an klar, dass eine Markthalle in erster Linie für den größten und ebensten Stadtteil, für die Wasserstadt, gebaut werden sollte, und dass die beste Stelle dafür der - in der Barockzeit entstandene - Bombeplatz (heute Batthyányplatz) wäre. Es war nicht der Standort, der Unsicherheiten bereitete (obwohl schon einige Alternativen entwickelt wurden), sondern die Aufnahmefähigkeit, dass heißt die erwünschte Größe des Gebäudes. Das Hauptstädtische Bauamt studierte die Frage schon 1891, aber der vorgesehene Platz hätte für die mit einem Miethaus kombinierte Halle kaum gereicht. Im Jahr 1894 wurde eine auf drei Seiten frei stehende, 224 ständige Verkaufsstände enthaltende Halle (mit einem Wohngebäude an der Seite des Platzes) vorgesehen, unter Beanspruchung weiterer Grundstücke und der