Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Eva Offenthaler: Die Wiener Bahnhöfe

148 Aufzug. Für den Bau wurden in großem Umfang Karstkalk aus Nabresina und Kalk von den Brionischen Inseln bei Pola verwendet. Die Fassaden der aus Ziegeln hergestellten Umfassungswände wurden größtenteils mit Portlandzementmörtel verputzt, was dem Gebäude den Charakter eines Steinbaus verlieh. Die Hängeplatten der Hauptgesimse bestanden aus Kaiserstein und Margarethenstein. Der stadtseitige Giebel war mit figuralen Gruppen und Greifen versehen, die von Josef Leimer stammten, jene des Giebels, der Stimfassade und des Hauptvestibüls stammten von Franz Melnitzky. Später wurde die Zentralanlage in die Länge erweitert. 1910 bildeten die aufeinander folgenden Bahnhöfe Südbahnhof, Matzleinsdorf und Meidling einen zusammenhängenden Gleiskomplex von 3,86 km Länge. Zu dieser Zeit nahm die Zentralbahnanlage im Stadtgebiet eine Grundfläche von 129 ha mit 78,4 km Gleisen und 366 großteils zentral stellbaren Weichen ein. Der Südbahnhof wurde im 2. Weltkrieg so stark beschädigt, dass 1951-1960 eine neue Bahnhofsanlage errichtet wurde, die eine Vereinigung mit dem früheren Ostbahnhof brachte. Geblieben ist nur die Bezeichnung Südbahnhof. Eisenbahn Wien-Aspang Die Eisenbahnlinie Wien—Aspang wurde von der Schiffahrtskanal-AG initiiert und hatte mit ihrer Lage innerhalb Niederösterreichs eher lokalen Charakter. Ihre Trasse wurde unter der Leitung von Chefingenieur Niers ausgearbeitet, der Bau der Bahnstrecke begann 1880, im folgenden Jahr wurde die Strecke bis Aspang dem Verkehr übergeben. Der Bahnhof im 3. Wiener Gemeindebezirk entsprach in seiner Größe einem stattlichen Provinzbahnhof und bedeckte eine Fläche von nur 7,8 ha. Die Möglichkeiten eines Kopfbahnhofes konnten nicht genützt werden, da die Gleise in die Verbindungsbahn mündeten. Das 97 m lange Aufnahmsgebäude wurde in den Jahren 1880-1883 nach dem Entwurf von Franz R. v. Gruber erbaut. Es wurde an der Stelle des zugeschütteten zweiten Hafens des Wiener Neustädter Kanals errichtet und ist bis ins Detail in historisierendem Renaissancestil gehalten. Aus architektonischer Sicht wich es von allem, was in Österreich üblich war, ab. Zwischen März 1943 und Oktober 1944 wurden vom Aspangbahnhof aus in mehreren Kleintransporten etwa 350 Menschen nach Auschwitz und etwa 1.400 nach Theresienstadt deportiert, woran heute ein Mahnmal erinnert. Der Betrieb der Bahn wurde bis 1971 aufrechterhalten, der Aspangbahnhof wurde in diesem Jahr gesperrt, das Bahnhofsgebäude 1977 demoliert.

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