Szita László (szerk.): Tanulmányok a török hódoltság és a felszabadító háborúk történetéből. A szigetvári történész konferencia előadásai a város és vár felszabadításának 300. évfordulóján, 1989 (Pécs, 1993)

I. Tanulmányok a török alóli felszabadító háború kérdéseiről - LUDWIG HÜTTL: Die Türkenkriege aus der Sicht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

handelt. Dementsprechend unterschiedlich fiel diese Hilfeleistung aus. Selbst bei größeren Kriegszügen war die Höhe der Türkensteuer umstritten und mußte neu verhandelt werden. Wolle man von den geistlichen und weltlichen Landständen in Österreich ob und unter der Enns 100 000 Gulden, so müsse man 150 000 Gulden fordern, lautete die Verhandlungstaktik in Wien. Und selbst bei einer Bewilligung von 100 000 Gulden bedeutete dies noch lange nicht, daß diese Summe auch tatsächlich ausbezahlt wurde, da ein Teil der Geldbewilligung in Naturalien erstattet wurde, wodurch entsprechende Preis- und Wertdifferenzen entstanden. Im einzelnen wurde während des 17. Jahrhunderts Österreich unter der Enns durchschnittlich mit 111/9 Prozent der Türkensteuer veranschlagt, Österreich ob der Enns mit 5 5/9 Prozent, die innerösterreichischen Länder (Kärnten, Krain, Steiermark) mit 16 6/9 Prozent und die Länder der böhmischen Krone (Böhmen, Mähren und Schlesien) mit 66 6/9 Prozent. 65 Da die landständischen Beihilfen zur Türkenabwehr nicht ausreichten und die habsburgischen Domänen, Mauten, Zölle zum großen Teil verpfändet waren, mußten auch die Reichsstände um fi­nanzielle Beihilfe angegangen werden, damit der Abwehrkampf gegen das expan­dierende osmanische Reich bzw. die Rückeroberung Ungarns finanziert werden konnte. Bei einer Bewilligung von 50 Römermonaten durch den Regensburger Reichstag, wie es z.B. im September 1716 geschah, 66 konnte der Kaiser jedoch real nur mit etwa 20 Millionen Gulden Beihilfe von Seiten des Reiches rechnen. Auch diese Summe wurde nicht direkt ausbezahlt, sondern teilweise mit den Kosten für gelieferte Naturalien, Waffen, Munition und Kriegsgerät verrechnet. Die Überweisungen nahmen überdies oft Monate in Anspruch, da die Reichs­fürsten sich wiederholt selbst in Geldschwierigkeiten befanden. Kurfürst Max Emanuel von Bayern hatte im Jahr 1716 etwa 20 Millionen Gulden Schulden, so daß er sich sehr schwer tat, die dem Kaiser zugestandenen 172.700 Gulden für den Türkenkrieg, speziell die Rückeroberung Belgrads, auch tatsächlich zu überweisen. Der protestantische Markgraf Christian Ernst von Bayreuth war in ähnlicher Weise hochverschuldct, und dennoch setzte er sich über Jahrzehnte hin tatkräftig für die habsburgische Politik, sei es in Ungarn oder gegenüber Frank­reich, ein. Nur durch wiederholte Schuldenaufnahme gelang es diesem Fürsten, die notwendigen Gelder flüssig zu machen. Die Leidtragenden waren meist die Soldaten, deren Sold erst verspätet ausgezahlt werden konnte. Letztlich ermög­lichte es die mit päpstlicher Zustimmung erfolgte Besteuerung der Kirchen, Klöster, Abteien den katholischen Territorialherren wie den Kurfürsten Ferdi­nand Maria und Max Emanuel von Bayern, 69 ihre gegenüber Kaiser und Reich

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