Szita László (szerk.): Tanulmányok a török hódoltság és a felszabadító háborúk történetéből. A szigetvári történész konferencia előadásai a város és vár felszabadításának 300. évfordulóján, 1989 (Pécs, 1993)

I. Tanulmányok a török alóli felszabadító háború kérdéseiről - LUDWIG HÜTTL: Die Türkenkriege aus der Sicht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

kaiserliche Heer durch einzelne Reichskontingente verstärken, so daß Teile des Reichsheeres unmittelbar der kaiserlichen Generalität untergeordnet wurden. Es war nicht immer leicht, die Reichsstände von der Notwendigkeit dieser Organi­sationsstruktur zu überzeugen und gegebenenfalls die vorhandenen Rivalitäten zwischen der kaiserlichen und der Reichsgeneralität auszuräumen. Nahmen hohe 23 Reichsstände wie Kurfürst Max Emanuel von Bayern, Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, 24 Herzog Karl V von Lothringen 25 oder der Polenkönig Jan III. Sobieski 26 persönlich an den Kämpfen 27 teil, so waren überdies noch Rang- und Zeremonialfragen zu klären, und es bedurfte großer diplomatischer Überzeugungskraft und selbst kirchlicher Ver­mittlung, um einen so aktiven Türkensieger wie Max Emanuel von Bayern davon zu überzeugen, daß er sich dem Oberbefehl des rangniedrigeren Herzogs von 28 Lothringen aufgrund der militärischen Notwendigkeiten unterordnen müsse. Trotz vielfacher Bedenken gegen eine mögliche Machtverstärkung des Kaisers durch territoriale Gewinne in Ungarn setzte sich im Deutschen Reich immer wieder die Überzeugung durch, daß der Expansionsdrang des osmanischen Reiches nicht nur den habsburgischen Kaiser in seiner Eigenschaft als König von 29 Ungarn tangiere, sondern das ganze Reich bedrohe. Fiele Ungarn als Vormau­er der Christenheit, der abendländischen Kultur, gänzlich in die Hände der Os­29 manen, war die Reichsgrenze selbst bedroht und mit ihr Osterreich, Böhmen, aber auch die benachbarten Territorien wie der bayerische, fränkische und schwä­bische Kreis. Im bayerischen Kreis dominierte ohnehin das Herzogtum bzw. ab 1623/48 das Kurfürstentum Bayern, und die Türkenhilfe Bayerns hing von den jeweiligen Beziehungen zwischen München und Prag bzw. Wien ab. Im fränkischen Kreis 30 hielten sich Würzburg, Bamberg, Ansbach und Bayreuth die Waage. Die geistlichen Fürstentümer sahen im Kaiser den Schutzvogt und Schirmherrn ihrer kirchlichen Interessen, und die beiden hohenzollerschen Markgrafschaften in der Nachbarschaft Böhmens unterstützten wie die übrigen Kreismitglieder den Kaiser in der Türkenfrage. Unter den rund 100 Mitgliedern des schwäbischen Kreises 31 dominierte ebenfalls die Grundstimmung den Kaiser in Ungarn zu unterstützen, doch gleichzeitig beherrschte den fränkischen und schwäbischen Kreis immer wieder die Sorge, Frankreich könnte das Engagement der Kreise zugunsten Ungarns nützen und im Gegenzug seine Truppen nach Süddeutschland einmarschieren lassen. Aus Furcht vor Frankreich zögerten die süddeutschen Kreise wiederholt, 32 all ihre Verbände nach Ungarn abmarschieren

Next

/
Thumbnails
Contents