Prag – Wien – Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 – Katalog zur Ausstellung

Hon.-Prof. Dr. Lorenz MIKOLETZKY: Zum Geleit

ZUM GELEIT Das Verhältnis der Österreicher zu den Tschechen war durch Jahrhunderte von einem Auf und Ab von Gefühlen gekennzeichnet. Man traute oftmals einander nicht, man kämpfte aber auch gemeinsam um Interessen im Gesamtstaatssystem. Eigentlich kam es nie zu einer Lösung der tschechischen Probleme im Rahmen der Habsburgermonarchie und auch in der letzten Phase des Ersten Weltkriegs konnte die Wiener Regierung der Forderung eines autonomen tschechoslowakischen Staates nicht entsprechen, ohne mit der deutschösterreichischen und der ungarischen Politik in Konflikt zu geraten. Die Gesamtmonarchie ohne Böhmen und Mähren war überhaupt nicht vorstellbar. Aber die Tschechen wollten los von Wien. Die revolutionären Proklamationen von Oktober und November 1918 erklärten die habsburgische Dynastie sämtlicher Rechte auf den böhmischen Thron verlustig und erkannten statt des Gottesgnadentums der Könige den Grundsatz der Volkssouveränität an. Die neuen Staaten (Deutsch-)Österreich und die Tschechoslowakei gingen von nun an getrennte Wege und suchten andere Partner für die Zukunft. Aber auch wenn Vergangenes nicht vergessen werden sollte, heilt wie gelegentlich gemeint wird, „die Geschichte Wunden“. Nach zweijährigen vorbereitenden Gesprächen wurden die diplomatischen Beziehungen vor nunmehr fünfundachtzig Jahren aufgenommen und erfuhren nur eine Unterbrechung, als beide Staaten durch das nationalsozialistische Joch ihre Eigenständigkeit verloren hatten. Dem Gedenken an dieses Jubiläum ist diese Ausstellung gewidmet, die in Wien und Prag Einblicke in die gemeinsamen Beziehungen geben und die handelnden Personen vorstellen soll. Das Österreichische Staatsarchiv trat daher der Idee des Archivs des Außenministeriums der Tschechischen Republik sehr gerne näher, eine gemeinsame Ausstellung zu gestalten und hofft, dass diese auf breitestes Interesse stoßen wird. Für die Erstellung der Ausstellung und den damit verbundenen Mühen darf Frau PhDr. Zlatuse Kukánová vom Archiv des Prager Außenministeriums und Frau ADir Michaela Follner vom Österreichischen Staatsarchiv sehr herzlich gedankt werden. Dem tschechischen und dem österreichischen Außenministerium ist für mannigfache Unterstützung zu danken. Hon.-Prof. Dr. Lorenz MIKOLETZKY Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs 1

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