Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915
LEBENSDATEN - LUDWIG SALVATORS WISSENSCHAFTLICHER WEG UND PERSÖNLICHKEIT
det sich Ludwig Salvator auch grundlegend von romantischen Naturschwärmereien. Ihm gelingt es nämlich mit seiner von höchst suggestiven wie präzis gewählten Metaphern gekennzeichneten Sprache das Wesentliche hervorzukehren und die Aufmerksamkeit sowohl auf Einzel- und Besonderheiten als auch das Gesamtgefüge und übergeordnete Zusammenhänge zu lenken, die anderen unbemerkt bleiben. Er geht jedoch nicht nur von optischen Eindrücken aus, son- Schriftsteller und „Poet dern beobachtet gewissermaßen mit all seinen Sinnen. Seine ausgeprägte akkustische Empfänglichkeit inspirierte ihn so zu einer seiner letzten Arbeiten, den Liedern der Bäume. Die dieser Schrift zugrundeliegende, so ungewöhnlich anmutende Idee, Bäume anhand der von ihrem Blätterwerk im Wind verursachten Geräusche zu beschreiben, entpuppt sich jedoch bald als durchaus entsprechend, da auf diese Weise ein der Natur der Sache bzw. des Baumes innewohnendes Charakteristikum offenkundig wird, das gewöhnlich keinerlei Beachtung findet, jedoch sehr wohl wesentlicher Bestandteil des allgemeinen Erscheinungsbildes ist und gleichzeitig ein deutliches Merkmal zur Unterscheidung der jeweiligen Baumarten darstellt. Derartige persönliche Beobachtungen und Eindrücke, die auch in Ludwig Salvators „enzyklopädischen“ Beschreibungen nicht fehlen, stellen in ihrer Authentizität und Unmittelbarkeit, die ihnen den Charakter von Momentaufnahmen verleiht, sehr oft auch Zeitdokumente aus einer unwiederbringlich vergangenen Epoche dar, deren Kenntnis jedoch heute zum Verständnis manigfaltiger allgemeiner Zusammenhänge unbedingt vonnöten ist. Mehrere Werke Ludwig Salvators wurden bald nach deren Erscheinen aus dem deutschen Original ins Englische, Französische, Spanische und Tschechische übersetzt, und ernteten wie bespielsweise die Karavanen-Strasse von Aegypten nach SyrienA\ die 1881 in der Übersetzung des Diplomaten und Reiseschriftstellers, Ernst v. Hesse Wartegg, in London erschien, großen Erfolg und Anerkennung.42 Wie einer englischen Buchbesprechung zu entnehmen ist, werden neben der höchst positiven Beurteilung des Werkes auch Ludwigs Überlegungen über die Durch- bzw. Undurchführbarkeit der Einrichtung einer Bahnlinie durch die Wüste, die er aufgrund eigener Beobachtungen angestellt hatte, besonders hervorgehoben. Große Beachtung fand auch die englische Übersetzung des 1881 erschienenen Werkes Bizerta und seine Zukunft43, Übersetzungen jn dem Ludwig als erster auf die strategische Bedeutung dieser tunesischen Hafenstadt hinwies. Auch noch rund 10 Jahre nach Ludwigs Tod erschien in den Vereinigten Staaten im September 1929 eine englische mit den Originalabbildungen Ludwig Salvators versehene Übersetzung von Los Angeles 44, die noch heute zu den gesuchten Schilderungen der Frühzeit Los Angeles’ zählt.45 Bereits zu dessen Lebzeiten fanden Ludwigs Werke auch in einschlägige botanische Bibliographien Eingang. Besonderer Erwähnung bedarf nichtzuletzt auch Ludwigs Bedeutung 42