Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915
LEBENSDATEN - LUDWIG SALVATORS WISSENSCHAFTLICHER WEG UND PERSÖNLICHKEIT
Einen der „Hauptvorteile der Weltausstellungen“ aber sah Ludwig „in den Verbindungen, die sie anknüpfen helfen“, und bezog sich dabei nicht auf die günstigen Auswirkungen, die neue Handels- und Wirtschaftsbeziehungen bewirkten, sondern vor allem auf „das gegenseitige Sich- kennenlernen der verschiedenen Völker“, das er als „Basis zu dem anzuhoffenden Frieden unter denselben“ erachtete und ausführte, „ Wie viele vorgefaßte Meinungen, wie viele Vorurteile werden beim Kennen eines anderen Volkes, beim Leben in seinem Lande abgestreift. Ich behaupte, daß, wenn sich die einzelnen Völker besser kennten, Pazifist und Philanthrop sje sjch auch njcht anfeinden würden.“36 Als erklärter Kriegsgegner, der auch die pazifistischen Bestrebungen der österreichischen Friedens-nobelpreisträgerin Berta von Suttner finanziell unterstützte und noch während des Ersten Weltkrieges, im September 1915, dem ebenfalls im Bereich der Naturwissenschaften tätigen und um die Errichtung von Naturreservaten verdienten Theodore Roosevelt sein Werk über die Zärtlichkeitsausdrücke im Friulanischen schickte, war Ludwig Salvator von der „pazifierenden Wirkung der Weltausstellungen“ überzeugt und gab auch in seinem Buch über das Projekt des Durchstiches der Landenge von Stagno in Dalmatien zu bedenken, „Wie viele schreckliche Auslagen werden gelegentlich eines Krieges getragen und ist es nicht viel leichter, kleine Ausgaben zur Wohlfahrt des Landes in Friedenszeiten zu bestreiten?“37 Überhaupt war Ludwig das Wohl der Menschen stets ein Anliegen. In diesem Sinne fügte er auch seinen beiden Werken über Los Angeles und Hobarttown jeweils ein Kapitel mit nützlichen Hinweisen unter dem Titel „Winke für Ansiedler“ hinzu. Der großen Anziehungskraft von Weltausstellungen ist schließlich auch die Bereicherung von Ludwigs Werken durch drei nicht dem Mittelmeerraum gewidmete Arbeiten zu verdanken. So steht seine ausführliche Beschreibung von Los Angeles38, mit dem Besuch der Weltausstellung von Philadelphia im Sommer des Jahres 1876 in Zusammenhang und Hobarttown oder Sommerfrische in den Antipoden39 geht auf die Besichtigung der Weltausstellung in Melbourne von 1880 zurück, an die Ludwig einen längeren Aufenthalt in Tasmanien anschloß. Da er von Hobarttown zurückgekehrt keinen Platz mehr auf dem direkt nach Europa fahrenden Schiff fand, entschloß er sich die Rückreise über den „gewöhnlichen Postweg“ über Amerika einzuschlagen und fuhr so „eigentlich ohne es zu wollen um unseren Erdball“. Die während der gesamten Reise entstandenen Aufzeichnungen veröffentlichte Ludwig schließlich unter dem Titel Um die Welt ohne zu wollen zuerst in einer reinen Textausgabe und später auch unter Beifügung von 100 Illustrationen40, die er unterwegs angefertigt hatte und heute einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der von ihm bereisten Länder darstellen. Ludwig war jedoch nicht nur Besucher von Weltausstellungen, sondern zählte auch selbst zu den preisgekrönten Teilnehmern. 1878 wurde er auf 40