Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915

LEBENSDATEN - HABSBURG - LOTHRINGEN - TOSKANA. ZUR HERKUNFT LUDWIG SALVATORS

„Tribuna“ genannte Abteilung zu Ehren von Galileo, die auch eine Samm­lung dessen Instrumente beinhaltet, und 1841 anläßlich des damals be­reits zum dritten Mal stattfindenden Kongresses italienischer Wissenschaft­ler feierlich eingeweiht wurde. Leopold war sehr stolz auf diese Gelehrtentreffen, hatte er sie doch persönlich 1838 auf Anregung des Mineralogen und Linguisten Charles Bonaparte nach deutschem Vorbild ins Leben gerufen und den 1. Kon­greß bereits im Oktober 1839 in Pisa unter der Teilnahme von 400 Wis­senschaftlern, die sich auf die Sektionen Geologie, Medizin, Physik, Agri­kultur, Zoologie und Botanik aufteilten, verwirklicht und dessen Verlauf mit größtem Interesse persönlich verfolgt. Im Gegensatz zu all jenen, die vor dem möglichen Mißbrauch derar­tiger gesamtitalienischer Kongresse zu politischen Zwecken warnten, hatte Leopold lediglich die Wissenschaft vor Augen. Sollten diese Zusammen­künfte doch nur einem einzigen Zweck dienen, näm­lich jenem, „di accrescere il patrimonio del sapere a vantaggio della vita sociale“9, wie Leopold in seiner begeisterten Schilderung der Eröffnung des 3. in Florenz abgehaltenen Kongresses, der bereits 880 Teilnehmer zählte, die Ansprache des General­präsidenten, Marchese Cosimo Ridolfi,10 wiedergab. Seiner Auffassung nach war nämlich der Souverän nicht nur Protektor der Wissenschaften, sondern auch der Gelehrten, unabhängig von deren persön­licher politischer Meinung. Eine Ansicht, die er auch bei der Ernennung neuer Professoren im Zuge sei­ner Hochschulreform vertrat, die sowohl die Ein­richtung zusätzlicher Lehrstühle, als auch erstmals Großherzog Leopold //. feste Gehälter für deren Inhaber vorsah. Auf Leopolds Initiative wurden neben den Universitäten von Pisa und Siena, der medizinisch-chirurgi­schen Schule im Arcispedale von Santa Maria Nuova in Florenz auch das toskanische Staatsarchiv, dessen Bestände ebenso wie die der Bibliothe­ken erweitert wurden, einer umfassenden Neuordnung unterzogen. Leopold war es aber auch, der gemeinsam mit Frankreich die große wissenschaftliche Expedition nach Ägypten und Nubien von 1828/29 fi­nanzierte, die unter der Leitung des damaligen Kurators am Pariser Lou­vre, Jean Frangois Champollion, dem bekanntlich die Entzifferung der Hieroglyphen gelungen war, stand. Auf toskanischer Seite nahmen an dieser ersten archäologischen Entdeckungskampagne, die bis nach As­suan vorstieß, der Pisaner Ägyptologe und Professor für orientalische Sprachen, Hippolito Rosellini (1800-1843) und der Botaniker Giuseppe Raddi, der in Leopolds Auftrag 1817 bereits Brasilien bereist hatte, sowie drei Maler und Zeichner11 zur bildlichen Dokumentation teil. Die reiche Ausbeute an archäologischen Gegenständen, vor allem jedoch an her­vorragenden, das Leben der alten Ägypter in allen erdenklichen Einzel­24

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