Ausstellungskatalog „Die Flucht des Zarewitsch“

Ernst Petritsch: Bericht über den Aufenthalt des Zarewitsch Alexej in den habsburgischen Ländern 1716-1718

[fol. Mr] zurückh, mit oben gemelten seinen verschiedenen bitten und ersuchen, auch einem schreiben sub L. C et D Ihro Kay[serlicher] M[ajestä]tt der beschützer seines armen .bluths und lebens zu seyn, mit dem Vattern zu seiner außsöh­Lit. C et D nung machen was sie wollten, desßen gnad ihme und seinen armen Kindern zu erhalten, aber umb Gottes willen nicht zurückh zu extradiren. Immitelß alß alles ziemlich still und ruhig ware, vernähme sich Ihr Kay[serliche] M[ajestä]tt über diese Vorfalllenheit die Mensures den Czaren zu besänftigen, auch den Sohn zu reconcilijren mit anverwandten Chur- und Fürsten, und wurde durch den Czarischen Residenten und andere Emissarios ahn Kay[serlichem] Hof und überall die gemachte nachforschung vollbracht, sonsten aber nichts haubtsächliches vorgenohmen, alß wie der retirirte Czarowiz im Monath Januario 1717 ut Lit. E umb Communication der Vorfallenheiten seines Vatterlands und einem Priester zur österlichen Beicht ahnhielte, so befohlen Ihro Kay[serlich]e May[estä]tt Lit. E. [fol. Mv] demselben mit Zeitungen ahn die Hand zu gehen, wegen des Priesters aber es zumahlen bey der entstandenen starck- hen nachforschung ihn zur gedult zu verweißen; Lit. F. Alß aber Ihre Kay[serliche] May[estä]tt der Czar unterm 20ten Xbris (Decembris) 1716 den 22ten Április 1717 sub Lit. F durch desßen Residenten Weselowsky ein schreiben übergeben und beylaufig solche mündliche Vorstellung thun laßen, worauf sub Lit. G geantwortet worden, so würde den 27ten April der Secretarius Keil, umb dem Czarowiz von all obigem nachricht zu geben, mit der ferneren Instruction sambt des H[errn] R[eichs]H[of]V[ice]Cantzlers schreiben sub Lit. H denselben zu aller Vorsichtigkeit, und zu entlasßung des bey sich in Mannß-Kleydern alß Page bey sich haben­Lit. G. den Menscheis, worauff des H[errn] R[eichs]H[of]V[ize]-Cantzlers Worthe .............................................................. Lit. H. ziehlen umb da ehender abgeschickht, alß Ihro Kay[serlich]e M[ajestä]tt solche des Czarowiz aufführung nicht appro- biren könten, dahero [fol. 15r] auch zu der vorschlagenden weiteren reyß biß nach Neapoli solche Person nicht mitlasßen wolten noch könten, und ließen im übrigen den Czarowiz von dem gantzen Verlauff der Sachen nachricht geben, mit der Freystellung ob er zu seinem herrn Vattern zuruckh, oder nach Neapoli gehen wolte, dan wie das erstere von seinem belieben, alßo hangte nach nunmehrigem Impegno Ihre Kay[serlich]e May[estä]tt von Ihro nicht mehr ab, ihn gegen sein Willen zuruckh, ahm allerwenigsten aber in Frantzösische oder andere frembde hände zu laßen, nicht zweifflende er würde sich wohl entsinnen ob er gegen seinen herrn Vattern unschuldig, item in rectu seye, wegen der beschuldigten nied­rigen Heürath, mithin gestalten dingen nach sich auch hiervon befreyen, Ihr Kay[serliche] M[ajestä]tt die mittel und weeg geben, dem h[errn] Vattern seine Unschuld oder die Versöhnung darzulegen, dan im übrigen wolten auch Ihre Kay[serlich]e May[estä]tt frey seyn, [fol. 15v] ohnrechtfertige oder ahndungs würdige dinge nicht zu schützen: Nachdeme nuhn all dieses den guten herrn in gewal­tige Lamentationes, Zweifelhaftigkeiten, endlich die forcht gesetzet, dem Vattern extradiret zu werden, wogegen er mit seinem bluth gegen Gott, auf die Knie fallend gebetten, und fast in Trähnen verflosßen, so hat er sich anderen tags gern und freudig zu der Neapolitanischen] reyß resolvirt, und solche den 4ten May vorgenohmen und 17ten May Neapel erlanget, allwo nach desßen heimblichen guten Versorgung der Sectret[är] Keil mit briefen ahn Kay[serliche] May[estä]tt und den R[eichs]H[of]V[ize]Cantzlern sub Lit. J. et K. versehen, und ihme das übrige mündlich sonder­bahr aber Committiret Ihro Kay[serliche]n May[estä]tt umbständiglich vorzutragen, daß nebst der wiederhohlung des Jenigen was derselbe vor der abreyß auß Tyrol, wie kurtz bevor gemeldet worden, und sonst so heftig Lit. J. K. [fol. I6r] vorgestellt und hefftig gebetten, wegen seiner ohnschuld gegen den herrn Vattern, so auch seines und der armen seini- gen ohnschuldigen lebens und bluths, item daß er dem Vattern keine unruhe noch ungelegenheit in der weh machen, sonder seine gnad von hertzen gern erbetten und erhalten wolte, noch dieses hinzusetzte, man mögte dem Jenigen, was seine Feinde, umb ihn bey Kay[serliche]r May[estä]tt verhast zu machen, zumahlen wegen des bey sich habenden Menschens nicht so leichter dingen glauben beymesßen, sonderlich aber auch die meynung nicht von ihme haben, was er wegen der üblen aufführung mit seiner Frau Gemahlin seel[igen] andenckhens wäre beschuldet worden, dan er mit Gott beweißen könte, daß niemahlen eines gegen das andere die mindeste zwischtig- oder sonstige Uneinigkeit gehabt hätte, dieses aber [fol. 16v] seye nicht ohne, sondern weit kündig, daß sein herr Vatter sie nebst ihme Jederzeit sehr verächtlich gehalten, bey öffentlichen und anderen gesellschaften, mit ihnen nichts geredet, und andere Ministres Frauen vorgezogen, welches ihr öftermahlen solche verdrüßlichkeiten verursachet, daß sie darüber mehrmahlen auß innerlichem Verdruß in eine leibs Schwachheit verfallen -, und ihrer letzten selbstigen außsag nach, zu ihrem fruhezeitigen hinscheiden die mehriste ursach gewesen wäre. Zum Schluß, alß sich der mehr erwehnte Secretarius würckhlich beurlauben wolte, erwehnte er noch gegen denselben wie daß er einige Briefe ahn seine gute Freunde in Moscau abgehen zu laßen gesinnet, damit sie wenigstens von seinem dermahligen zustand, und daß er noch bey leben und wohl aufgehoben seye, nachricht hätten, mögte er 37

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