Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Manfried Rauchensteiner: Einleitung

EINLEITUNG Manfried Rauchensteiner Als der Chef der Operationsabteilung des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos, Generalmajor Alfred Freiherr von Waldstätten, Kaiser Karl I. am 8. September ein Telegramm schickte, das in den schließlich zum Decknamen gewordenen Worten gipfelte: „Waffentreue gesichert“, da nahm etwas seinen Anfang, das schließlich bei den Mittelmächten des Ersten Weltkriegs die Hoffnung auf einen siegreichen Ausgang des Kriegs wie nichts anderes nährte: Die österreichisch-ungarische Armee und das Deutsche Heer wollten eine gemeinsame Offensive gegen Italien führen. Österreich-Ungarn war zu diesem Zeitpunkt bereits in einer kritischen Situation. Russland schien zwar endgültig aus dem Feld geschlagen, doch die Situation im Inneren der Donaumonarchie wurde von Tag zu Tag schwieriger. Die Nationalitäten der Monarchie drifteten auseinander. Die politischen Gruppierungen signalisierten sich mehr Feindseligkeit als Gemeinsamkeit. Allmählich wurden die Menschen knapp, die bis dahin ein unerschöpfliches Reservoir von Soldaten zu bilden schienen. Lebensmittel und Heizmaterial gingen aus, und nicht zuletzt war es schon eine evidente Unmöglichkeit, das sich rasant verbrauchende Kriegsmaterial im benötigten Ausmaß nachzuschaffen. Kleinere Streiks ließen befürchten, dass die Arbeiterschaft nicht mehr gewillt war, den sogenannten „Burgfrieden“ zu wahren. Und schließlich hatten sich auch alle Hoffnungen zerschlagen, den Krieg durch einen Waffenstillstand oder Sonderfrieden beenden zu können. Man konnte sich also nur mehr an einige Hoffnungen klammem, z.B. die, dass die USA wohl dem Deutschen Reich, nicht aber Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hatten. Oder aber man hoffte auf ein Wunder, wie beispielsweise einen deutschen Siegfrieden im Westen. Aber auch an der so gut wie einzigen verbliebenen Front der Habsburgermonarchie, jener im Südwesten, hatten sich im Spätsommer 1917 Krisensymptome gezeigt, als es den Italienern gelungen war, in der 29 Tage währenden 11. Isonzoschlacht eine wichtige Höhe, nämlich das Hochplateau von Bainsizza-Heiligengeist einzunehmen und zu behaupten. Es waren wohl nur elf Kilometer gewesen, doch die Heeresgruppe Erzherzog Eugen beschlich durchaus zu Recht die Sorge, dass die ausgemergelten k. u. k. Truppen keine weitere Offensive aushalten würden. Ein nächster Angriff der Italiener würde vielleicht den Zusammenbruch der Front und einen Vorstoß durch die Laibacher Senke in das Herz der Monarchie zur Folge haben. 3

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