Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

wegen des praktisch fehlenden Wegenetzes nicht zu verteidigen war. Noch während der erbitterten Kämpfe der 11. Isonzoschlacht entwarf die österreichisch­ungarische Heeresleitung am 25. August 1917 den Plan, erstmals mit einem größeren Gegenangriff aus dem Raum Flitsch-Tolmein4 der Südwestfront Luft zu verschaffen. Zu Beginn der 11. Isonzoschlacht (17. August 1917) standen 52 starke italienische Divisionen mit etwa 4.000 Geschützen und 1.700 Minenwerfern 26 schwachen Infanteriedivisionen (Inf Div) mit 1.434 Geschützen und 112 Minenwerfem der Heeresgruppe Boroevic gegenüber.5 Nach den beiderseitigen riesigen Verlusten in dieser Schlacht (Österreich-Ungarn: 108.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen,6 Italien: 148.000 Mann, davon 40.000 Tote), welche Cadorna durchaus ersetzen konnte, Österreich-Ungarn aber nicht mehr, berechnete der österreichisch-ungarische Generalstabschef, General der Infanterie (GdI) Arz von Straußenburg, dass für einen Angriff mindestens 15 zusätzliche Divisionen herangeführt, und dass diese Verstärkungen zum Teil von den Verbündeten beigestellt werden müssten.7 Von den Mittelmächten war allerdings nur das Deutsche Reich zu einer wirksamen Unterstützung fähig,8 wobei Arz sowohl die „unvergleichlich bessere Ausrüstung“ der deutschen Divisionen im Auge hatte, als auch die Tatsache, dass „die von den Verbündeten bisher gemeinsam geführten Feldzüge trotz der dabei unvermeidlichen Reibungen am ehesten Erfolg verhießen“.9 Arz erhielt am 25. August 1917 von Kaiser Karl die Genehmigung zu dieser Offensive und ersuchte seinerseits, sechs deutsche Divisionen anfordem zu dürfen, 4 Dieser Operationsplan wurde von Major Sigismund von Schilhawsky auf Basis seines früheren Planes vom 31. Juli 1917 entworfen und sah angesichts der bekannten Aversion Kaiser Karls gegen eine zu große Abhängigkeit vom deutschen Verbündeten nur die Anforderung deutscher schwerer Artillerie vor. Infolge des hohen Munitionsverbrauchs (1,5 Mill, leichte, 0,25 Mill, mittlere Artilleriegranaten und 22.000 Mörsergranaten) in der 11. Isonzoschlacht waren 38% aller österreichisch-ungarischen Geschütze durch Rohrverschleiß unbrauchbar geworden. Vgl. dazu: Österreichisches Bundesministerium für Landesverteidigung und Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungams letzter Krieg 1914-1918, Bd. VI: Das Kriegsjahr 1917. Wien 1936, S. 456, 485 sowie 497. 5 Lichem, Heinz von: Krieg in den Alpen 1915-1918, Bd. 3. Augsburg 1993, S. 288. Wagner, Anton: Der Erste Weltkrieg. Ein Blick zurück, Wien 2. Aufl. 1993/unveränd. Nachdr. (Truppendienst-Taschenbücher 7), S. 269. 6 Bei der Durchschnittsstärke einer österreichisch-ungarischen Division von 7.000 Mann waren das 15 Divisionen. 7 S c h ä f e r: Schlachtfeldführer, S. 99. 8 Bulgarien und die Türkei stellten Trappen bei, die an der Ostfront in die Positionen der für die Offensive abgezogenen deutschen und österreichischen Divisionen einrückten. 9 Glaise-Horstenau, Edmund: Flitsch-Tolmein. Zum zehnten Jahrestage. In: Militärwissenschaftliche und technische Mitteilungen 58 (1927), S. 497-502. 15

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