Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

DIE 12. ISONZOSCHLACHT: DER OPERATIONSPLAN UND SEINE DURCHFÜHRUNG Franz Felberbauer Die Lage Mit der Kriegserklärung Italiens an seinen ehemaligen Verbündeten Österreich- Ungarn am 23. Mai 1915 stand den Mittelmächten eine weitere Million Soldaten gegenüber. Angesichts des unerwartet zähen Widerstands der Österreicher erfüllte sich die Hoffnung der Entente auf eine kriegsentscheidende Wende durch den italienischen „Seitenwechsel“ nicht, für den sie im Londoner Vertrag zahlreiche finanzielle, wirtschaftliche und politische Zugeständnisse gemacht hatten.' Italien versuchte in elf Schlachten erfolglos, mit massivem Einsatz an Material und zahlenmäßig weit überlegenen Truppen, die etwa 55 Kilometer langen österreichischen Verteidigungslinien am Isonzo zu durchbrechen (Abb. 1). Die hohen österreichisch-ungarischen Verluste in der 10. Isonzoschlacht (12. Mai bis 6. Juni 1917), die eigentlich ein Fiasko für die italienischen Angreifer war, brachten die Verteidiger aber in eine kritische Lage. In der 11. Isonzoschlacht, der blutigsten von allen, erreichten die vom italienischen Generalstabschef General Conte Luigi Cadorna geführten Truppen erstmals nach l'A Jahren nahezu permanenter Angriffe einen Geländegewinn von etwa zwölf Kilometern Tiefe (!) und überschritten den Mittellauf des Isonzo zwischen Selo und Salcano.2 Der Großteil der Hochfläche von Bainsizza und der wichtige Monte Santo mussten von den österreichisch-ungarischen Truppen geräumt werden. Obwohl es gerade noch gelang, einen italienischen Durchbruch zu verhindern und den die Hochebene von Bainsizza und das Becken von Görz beherrschenden Monte San Gabriele zu halten,3 war es klar, dass die Widerstandskraft der Truppen der Donaumonarchie Italien erhielt Zusagen auf österreichisch-ungarisches und türkisches Gebiet, ferner eine Anleihe von 50 Mill. Pfund Sterling, dazu laufende monatliche Zuwendungen von Geld, Kohle, Lebensmitteln und Waffen. 2 Von alliierter Seite wird Cadorna als „Erz-Abnützungskrieger“ (arch - attritionist) mehr noch als Joffre und Haig eingestuft. Italien verlor nämlich immer mehr Soldaten als Österreich, allein in den ersten drei für Italien völlig ergebnislosen Isonzo-Schlachten 250.000 Mann. Vgl. dazu: Falls, Cyril: Caporetto 1917. Liverpool-London 1966, S. 17. 3 Nachdem der Berg mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, gelang es zuletzt dem oberösterreichischen IR 14 („Hessen“) mit übermenschlicher Anstrengung, den Gipfel zu stürmen und zu halten. Ein Verlust des Monte San Gabriele hätte die Planung der 12. Isonzoschlacht nicht möglich gemacht. Vgl. dazu: Krafft, Konrad von Dellmensingen: Der Durchbruch am Isonzo II, 13

Next

/
Thumbnails
Contents