Historische Momente polnisch-österreichischer Beziehungen vom 14. – 20. Jh.

Jerzy Gaul, Warschau: Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Österreich vom 14.-20. Jahrhundert

Deutschland, dem Österreich schließlich 1938 mit dem Einverständnis der Mehrheit seiner Bevölkerung angegliedert wurde. Ein Jahr später einigten sich das nationalsozialistischen Deutschland und das stalinistische Russland über das Schicksal Polens. Als Folge des Ribbentropp-Mototow-Abkommens, des Angriffs Deutschlands am 1. September und des Einmarsches der Roten Armee am 17. September 1939 verschwand der polnische Staat noch einmal von der politischen Landkarte Europas. Das Jahr 1945 brachte Polen wie Österreich die Befreiung, aber nicht die volle Souveränität. Österreich, das von den Besatzungsarmeen der Alliierten besetzt wurde, erreichte sie auf Grund des am 15. Mai in Wien Unterzeichneten Staatsvertrags. Polen kam in der Folge des Abkommens von Jalta in den politischen Einflussbereich der Sowjetunion. Die dunkle Nacht des Totalitarismus in Polen förderte die Träume über die Souveränität und die Freiheit, auch die Nostalgie nach dem Liberalismus, dem Staatsrecht und der politischen Kultur der Donaumonarchie, was in der Entstehung des Mythos über das glückliche Galizien seinen Ausdruck fand. Polen musste auf die Freiheit bis 1989 warten und bis 2004 auf seinen Beitritt zur Europäischen Union, der Österreich bereits seit 1995 angehörte. Beide Staaten, einstmals Großmächte und nun auf ihren mittelalterlichen Kernbereich beschränkt, sind damit - diesmal aus freien Stücken - im Rahmen einer umfassenden politischen, wirtschaftlichen und multinationalen Gemeinschaft vereint, deren Vorläufer in Mitteleuropa sie einmal gewesen waren. 17

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