1705 – Was vor 300 Jahren geschah…

5. Europa im Krieg

Leopolds L, die Macht der ungarischen Stände zu brechen, die erhöhte Steuerlast sowie die Verwüstungen der Rückeroberungskriege bewirkten eine allgemeine Unzufriedenheit in Ungarn, die 1703 zu einem ausgedehnten Aufstand führte. Der von Franz II. Rákóczi (1676-1735) geführte Aufstand dehnte sich 1705 auf den größten Teil des Landes aus. Das kleinere, reguläre kaiserliche Heer konnte Schlachten gegen die zahlenmäßig überlegenen, aber irregulären bzw. halbregulären Kuruzzen-Reitertruppen meist gewinnen, seine Erfolge jedoch nicht ausnützen, weil die von neuem gesammelten Kuruzzen - mit Hilfe der in Jahrhunderten während der Türkenkriege eingeübten Taktik - die kaiserlichen Truppen allmählich zermürbten. Die kaiserliche Armee gewann 1705 drei Schlachten (Kiüti und Pudmeric in Oberungam, Zsibö am Eingang zu Siebenbürgen), während sie nur eine verlor (Szentgotthárd in Transdanubien); trotzdem blieb das Land unverändert in den Händen der Kuruzzen, die ihre Herrschaft über Transdanubien sogar festigen konnten. Neben der Unbeugsamkeit beide Seiten bildete auch die geschickte französische Politik ein Hindernis für einen schnellen Friedensschluss. Rákóczi bemühte sich um internationale Anerkennung, wobei seine Wahl zum Fürsten von Siebenbürgen (8. Juli 1704) eine wesentliche Rolle spielte. Obwohl England und Holland, von eigenen Interessen geleitet, zwischen dem Kaiser und den Kuruzzen vermittelten, blieben die Verhandlungen erfolglos. Die nach langen Vorbereitungen im Oktober 1705 in Nagyszombat begonnenen Gespräche wurden im Sommer 1706 ohne Ergebnis beendet, und es sollte noch sechs Jahre dauern, bis endlich ein Friede zustande kam. Betrachtet man die Lage Europas insgesamt zu dieser Zeit, so zeigt sich, dass praktisch kein Landstrich von den kriegerischen Auseinandersetzungen unberührt blieb. Vom Atlantik bis nach Rußland und von Skandinavien bis Italien wurde der Kontinent unablässig vom Krieg heimgesucht. Katalog Nr. 61 Handbillet Kaiser Leopolds I. an Paul Széchényi, Erzbischof von Kalocsa Wien, 20. Februar 1705 Signatur: UA AA Fasz. 187 Konv. B fol. 22-23 Orig., mit eh. Unterschrift Nach den Niederlagen von Feldmarschall Heinrich Siegbert Heister (1646— 1718) im Jänner und Februar 1705 in Oberungarn war Kaiser Leopold bereit, die Verhandlungen mit den Aufständischen in Ungam wieder aufzunehmen. Paul Széchényi (1645-1710), Erzbischof von Kalocsa und bis zu seinem Tod Administrator des Bistums Veszprém, vermittelte mehrmals erfolglos zwischen dem Herrscher und Franz II. Rákóczi. Leopold I. fordert den

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