1705 – Was vor 300 Jahren geschah…

4. Karl III. (VI.)

Nach dem unerwartet frühen Tod seines Bruders Joseph I. am 17. April 1711 musste Karl bald in seine Heimat aufbrechen, während seine Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691-1750 - die Hochzeit hatte 1708 in Barcelona stattgefunden) als Statthalterin in Katalonien blieb. Im Oktober 1711 wurde er von den Kurfürsten zum römisch-deutschen König gewählt und nach seiner Rückkehr aus Spanien am 22. Dezember 1711 in Frankfurt zum Kaiser gekrönt; im Jänner 1712 zog Karl VI. in der Haupt- und Residenzstadt Wien ein. Nun waren die Verbündeten an einer Unterstützung der spanischen Ambitionen Karls nicht länger interessiert, hätte dies doch eine empfindliche Beeinträchtigung des europäischen Gleichgewichts bedeutet. Infolge dessen schlossen sie in Utrecht 1713 mit Frankreich ein Friedensabkommen, dem sich Karl VI. 1714 im Frieden von Rastatt notgedrungen anschloss. Immerhin bescherte ihm der Friede große Anteile aus dem spanischen Erbe, die Erwerbung Mailands, Neapels und Sardiniens sowie der südlichen Niederlande, des heutigen Belgien. Bald danach erklärte Karl VI. dem Osmanischen Reich den Krieg, in dem dank des Feldhermtalents des Prinzen Eugen von Savoyen die Festungen Peterwardein, Temesvár und Belgrad (1717) erobert werden konnten. Im Frieden von Passarowitz erlangte die Habsburgermonarchie 1718 mit der Erwerbung Nordserbiens, des Banats und der Kleinen Walachei ihre größte Ausdehnung, welche durch den Tausch Sardiniens gegen Sizilien noch abgerundet wurde. Allerdings gingen nach dem Tod des Hofkriegsrats-Präsidenten Prinz Eugen (1736) und nach einem dilettantisch geführten Türkenkrieg die meisten Gebietsgewinne noch zu Lebzeiten Karls - im Frieden von Belgrad 1739 - wieder verloren. 1735 hatte der Kaiser bereits auf Neapel und Sizilien verzichten müssen, während sein Schwiegersohn Franz Stefan von Lothringen, der Gemahl Maria Theresias, nach der Besetzung der lothringischen Erblande für den Verlust wenigstens mit der Nachfolge im Herzogtum Toskana entschädigt wurde. Außenpolitisch war das Reich unter Kaiser Karl VI. immer wieder isoliert: Die Übernahme des Schutzes über die 1719 gegründete Ostindische Handelskompanie von Ostende forderte die Annäherung Frankreichs an Großbritannien und die Niederlande, auf deren gemeinsamen Druck die Gesellschaft bereits 1731 wieder aufgelöst werden musste. Positiv zu bewerten ist dagegen - dank einer relativ erfolgreichen merkantilistischen Wirtschaftspolitik - Karls innenpolitische Bilanz, ebenso die Bemhigung der Lage in Ungam nach den Kuruzzenkriegen. Unter Karl VI. erreichte der Barock in Österreich seinen Höhepunkt; mit der von Bernhard Fischer von Erlach errichteten Karlskirche setzte sich der Kaiser ein prunkvolles Denkmal. Seine Politik konzentrierte sich in zunehmendem Maße auf die Sicherung der Nachfolge in den Erblanden, die trotz vielfacher Anerkennung

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