700 Jahre Schweiz
III. Hegemonie oder Partnerschaft?
erlangt habe. Damit hatte man den Anspruch zurückgewiesen, ohne expressis verbis von einer Fälschung zu sprechen. Druck (der Erbeinigung): Die Eidgenössischen Abschiede 5/2b (Bern 1877) S. 2134-2139. Lit.: Johannes Dierauer Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft 3 (Gotha 1907) S. 480-483, 499; Handbuch der Europäischen Geschichte 3 (Stuttgart 1971) S. 341. Th 25 Relation des kaiserlichen Residenten in Konstantinopel, Johann Rudolf Schmidt (von Schwarzenhorn) an Kaiser Ferdinand III. 1643 November 12, Wien Or. Papierhandschrift, 151 Folien mit einem Porträtstich Schmidts; 20,5 cm x 28,5 cm x 2 cm HHStA Turcica 117 Johann Rudolf Schmidt, geboren am 17. April 1590 in Stein am Rhein, wo er auch auf wuchs, war bereits in jungen Jahren in türkische Kriegsgefangenschaft geraten. Er erlernte die osmanisch-türkische Sprache in Wort und Schrift und wurde an der Hohen Pforte zu Übersetzungen herangezogen. Aus der Gefangenschaft freigekauft, kehrte er 1624 nach Wien zurück und trat schon im folgenden Jahr in die Dienste des Hofkriegsrates. Nachdem er einige diplomatische Missionen erfolgreich durchgeführt hatte, erhielt er 1629 seine wichtigste Aufgabe übertragen, jene eines kaiserlichen Residenten in Konstantinopel, die er bis zum Jahr 1643 ausübte. Den vorliegenden Schlußbericht faßte Schmidt in zwei Teilen, datiert vom 20. August und vom 12. November 1643, ab. Seine Beurteilung Sultan Ibrahims sowie der entscheidenden Würdenträger an der Staatsspitze beweisen, daß er einerseits ein genauer Beobachter und Kenner der Persönlichkeiten und der Verhältnisse war und daß er andererseits auch auf verläßliche Informanten zurückgreifen konnte. Besonders zustatten kamen Schmidt seine Kenntnisse der Landessprache und der Mentalität der Menschen, mit denen er zu tun hatte. Zu den vordringlichsten Aufgaben eines kaiserlichen Residenten gehörte es, besonders in den Zeiten des 30jährigen Krieges, die Osmanen von einem Kriegseintritt abzuhalten, wofür nicht unerhebliche Bestechungsgelder aufgewendet werden mußten; auf der anderen Seite versuchten etwa schwedische Gesandte auf ähnliche Weise, wenngleich letztlich ohne Erfolg, die Osmanen zum Krieg gegen die Habsburger zu bewegen. Tragischerweise wurde Schmidt bei seinen Bemühungen seitens des kaiserlichen Hofes nur unzureichend unterstützt, weshalb der Resident schließlich resignierte und auf seine Abberufung drängte. Verärgert kommentierte er die Arroganz seines Nachfolgers Alexander Greifenklau von Vollrats, der auf die langjährigen Erfahrungen Schmidts verzichten zu können meinte. 43