700 Jahre Schweiz

III. Hegemonie oder Partnerschaft?

für das Nichtfunktionieren von Demokratie. Dementsprechend schlossen die einzelnen Bünde ihre Verträge mit ausländischen Mächten nach der jeweils aktuellen politischen Lage (nn. 21, 22, 23, 24). Der Hauptinhalt aller dieser Verträge war stets die Bewilligung zur Anwerbung von Söldnern in der Schweiz durch ausländische Souveräne. Zahlreiche Schweizer sind auch als Offiziere im Ausland groß geworden und haben später wieder in der Heimat gewirkt, wie etwa der Oberst Sebastian Peregrin Zwyer von Evibach (1589-1661), der bedeutendste Anhänger des Kaisers in der Schweiz (n. 27). Botschafter Rudolf Schmidt von/zu Schwar- zenhom mag als Beispiel für den nicht-militärischen Aufstieg eines Schwei­zers gelten (n. 25). In der zweiten Jahrhunderthälfte geriet die Schweiz immer stärker in französische Abhängigkeit: Gegen das Recht, Truppen anzuwerben, garantierte Frankreich den eidgenössischen Besitzstand. Ähnlich wie im übrigen Europa kann man auch in der Schweiz den Ausbau aller Städte und strategisch wichtigen Plätze zu Festungen von enormem Ausmaß beobachten (n. 28). Während jedoch alle anderen politischen Faktoren (wobei in diesem Zusammenhang Österreich, das Reich und das Kaiserhaus an erster Stelle stehen) allmählich durch den Krieg und die Kriegsrüstungen immer ärmer wurden, erwarb die Schweiz insgesamt durch Söldnerwerbung und daraus resultierende Zahlungen Reichtum in großem Stil. Dieser verhältnismäßige Wohlstand brachte auch politische Stabilität und zeigte deutliche Tendenzen in Richtung einer Vereinheitlichung des Staatswesens. Sp 20 Ersuchen Kaiser Rudolfs II. an Schultheiss und Rat der Stadt Zürich um militärische Hilfe gegen die Türken 1594 Dezember 23, Prag Konzept Papier, 10 Folien; 21 cm x 33 cm HHStA Kriegsakten 34 Konv. 4, fol. 205-214 Wiederholte türkische Übergriffe an der Militärgrenze und der erfolgreiche Gegenschlag kaiserlicher Truppen bei Sissak (22. Juni 1593) führten zum Ausbruch eines neuen Türkenkrieges, der als der sogenannte Lange Türken­krieg (1593-1606) in die Geschichte eingegangen ist. In dieser Situation, die durch die Kapitulation der westungarischen Festung Raab (29. September 1594) noch erheblich verschärft wurde, wandte sich Rudolf II. um finanzielle und militärische Unterstützung an den Papst, das Reich, Spanien, mehrere italienische Staaten sowie den Fürsten der Moldau und Walachei. Der im Sommer 1594 eröffnete Regensburger Reichstag schlug zusätzlich vor, ein an Zürich adressiertes, aber an die gesamte Eidgenossenschaft gerichtetes Gesuch um Hilfe abzuschicken. Zur diesbezüglichen Verhandlung entsandte Rudolf II. im Februar 1595 eine Gesandtschaft unter Führung des Deutschordenskom­36

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