700 Jahre Schweiz
II. Von der Habsburg nach Österreich
Habsburgergräber in Königsfelden 1770 September 22, Wien a) Vortrag der Böhmisch-Österreichischen Hofkanzlei mit eigenhändiger Resolution der Kaiserin Maria Theresia Or. Papier, 4 Folien; 23 cm x 33,5 cm HHStA Habsburg-Lothringisches Familienarchiv, Hofakten des Ministeriums des Inneren 8, I C 4/1770-1772 b) Zwei Stiche (bezeichnet Johann B. Haas sc.) der habsburgischen Krypta in Königsfelden/Aargau aus Martinus Gerbertus „Taphographia principum Austriae . . . Tomus IV“ (Typis San-Blasianis 1772): Tabula X HHStA Bibliothek G 10; 29 cm x 43 cm Der Vortrag des Hofkanzlers Rudolf Grafen Chotek an Maria Theresia befaßt sich mit der Frage, in welcher Form die Übertragung der Leichname von frühen Habsburgéin aus Königsfelden und Basel nach St. Blasien vor sich gehen sollte. Das Minoritenkloster Königsfelden war an jener Stelle erbaut worden, an der am 1. Mai 1308 König Albrecht I. von seinem Neffen Johann Parricida ermordet worden war. Seine Witwe Elisabeth und seine Tochter Agnes ([1280— 1364] Witwe nach König Andreas III. von Ungarn) erweiterten die Stiftung später um einen Nonnenkonvent zu einem Doppelkloster. Begraben wurde Albrecht I. zwar im Kaiserdom zu Speyer, Königsfelden aber sollte seinem Gedächtnis gewidmet sein und als Grabstätte für seine Nachkommen dienen. Mit dem Eintritt der Königinwitwe Agnes in diesen Konvent erlangte das Kloster für einige Jahrzehnte große Bedeutung, die sich im Bau einer prächtigen gotischen Hallenkirche manifestierte. Die in der Folgezeit entstandenen Glasfenster stellen betende habsburgische Fürsten und Fürstinnen dar, - eine Art Vorstufe zur Grabanlage Kaiser Maximilians I. in der Innsbrucker Hofkirche. Bis zum Jahre 1386 wurden 11 Angehörige des Hauses Habsburg und 60 bei Sempach gefallene Ritter in Königsfelden beigesetzt (vgl. n. 8). Danach war Königsfelden nur mehr ein reich dotiertes Klarissenkloster, das schon 1523 auf Ansuchen der Nonnen selbst aufgehoben wurde. Die Idee zur Exhumierung der Leichen und Schaffung eines „österreichischen Pantheons“ in St. Blasien ging offenbar von Abt Martin II. Gerbert aus, - vielleicht angeregt von Kloster Muri unter Abt Placidus (vg. n. 29). Die Böhmisch-Österreichische Hofkanzlei sah sich unversehens mit der Frage konfrontiert, mit welcher Art von Feierlichkeit die Überführung der „durchlauchtigsten Leichname“ vor sich gehen solle, nachdem die Schweizer Kantone ihre grundsätzliche Erlaubnis dazu gegeben hatten. Obzwar das Beamtenkollegium der Hofkanzlei zu erwägen gab, ob nicht „die fernere Belassung gedachter Leiber an ihren bisherigen Ruhestätten zum Denkmal einer vorhinnigen Bothmäßigkeit hätte dienen“ können, konnte man dem schon ausgesprochenen Placet Maria Theresias nichts entgegnen. Durch das 19 33