700 Jahre Schweiz
II. Von der Habsburg nach Österreich
gekrönten Ausstellers wieder: Die Königskrone überhöht einen senkrecht geteilten Schild, der links (vom Beschauer) den einköpfigen Königsadler und rechts eine Kombination der Wappen Österreich (Siegelbild zerstört), Burgund und Spanien zeigt. Das Datum ist um einen Tag vorverlegt, denn schon am 18. Dezember schickte Karl Beglaubigungsschreiben, Bevollmächtigung und Instruktion mit dem Auftrag ab, 16.000 Gulden u. a. auch für „practica“, d. h. Bestechungen, und für die Kosten der eidgenössischen Tagsatzung zu verwenden (HHStA Schweiz 7 Konv. 2, fol. 116). Der Gegenstand der Verhandlungen wird in der Vollmacht nur mit der Aufgabe eines Agierens für Karl, dessen „pundtsverwandten“ und besonders für Herzog Francesco II. Sforza von Mailand angedeutet, in der Instruktion der Gesandten aber konkretisiert. Es geht um die Unterstützung Mailands als Teil Reichsitaliens gegen den Agressor Frankreich, dem der Kaiser, der verstorbene Papst Leo X. und Sforza als Verbündete gegenüberstanden (Ennio Filonardi, Bischof von Veroli, vertritt in Zürich während der Vakanz des Heiligen Stuhles das Kardinalskolleg). Um die Eidgenossen zu gewinnen, verknüpft Karl in einer kühnen Konstruktion seine Parteigänger mit den umworbenen Kantonen: Als Partner der bindenden Erbeinigung von 1511 hat er neue Bündnisse geschlossen, deren Mitglieder somit zu „Verwandten“ seiner eidgenössischen Freunde werden. Die Hoffnung Karls, die Schweizer würden sich auf die Seite von Papst, Kaiser und Reich schlagen, war illusorisch. Reichsinteressen spielten keine Rolle, und die Vergünstigungen, die Frankreich gewährt hatte - neben den hohen Jahrgeldem waren es vor allem Privilegien für den eidgenössischen Handel in Frankreich und im französischen Mailand -, konnten durch Karls verspätetes Eingreifen nicht überboten werden. Die Eidgenossenschaft hatte in der Auseinandersetzung Habsburg-Valois - vorerst, was den Besitz Mailands und der Lombardei anging - Stellung bezogen. Die Zukunft sollte erweisen, daß die diplomatischen Erfolge der Franzosen die politische Grundlage bis 1792 bildeten. Die Schweizer historische Forschung bezeichnet zwar Frankreich nur als „Freund“, nicht als Protektor, nennt aber auch die außenpolitische Anlehnung an die westliche Macht und deren militärischen Sukkurs durch eidgenössische Fußknechte als weittragende Konsequenzen. Die gleichsam „natürliche Symbiose“ beider Völker auf kriegstechnischem Gebiet ist wie die mangelnde Bereitschaft, dem Kaiser in der Türkenabwehr zu helfen (vgl. n. 20), ein Symptom für die enge Bindung an den jahrhundertelangen Gegner Habsburgs und die Lösung vom Heiligen Römischen Reich, die der Westfälische Friede (siehe n. 26) besiegelte. Lit.: Die Eidgenössischen Abschiede 4/la (Brugg 1873) S. 159-162; Edgar Bonjour Geschichte der Schweizerischen Neutralität 1 (3. Auflage Basel 1967) S. 31; Handbuch der Schweizer Geschichte 1 (2. Auflage Zürich 1980), S. 358-431, hier bes. 430. Th 31