Österreichische und europäische Geschichte in Dokumenten des HHStA

Hauptraum (Nr. 1–344)

84 hältnis entspringenden Lasten der Bauern — teils ohne, teils gegen Entschädigung — aufhob. Der Reichstag wurde nach der Wiener Oktoberrevolution nach Kremsier in Mähren verlegt und am 7. März 1849 aufgelöst. 251. 1848 Oktober 6, Wien. Kriegsminister Latour kündigt dem Ministerpräsidenten Wessenberg die strenge Be­strafung des Grenadierbataillons Richter an, das sich geweigert hatte, nach Ungarn zum Kampf gegen Aufständische abzugehen. Orig., Papier, 2 Folien, ganz eigenhändig: Staatskanzlei, Interiora Fasz. 99. — Am gleichen Tag drang eine meuternde Volksmenge in das Hofkriegsratsgebäude „Am Hof“ ein und erschlug den 68jährigen Latour, dessen Leiche an einem Laternenpfahl aufgehängt wurde. 252. (Nach 1848 Oktober 20, Wien). Dr. Hermann Jelli- neks eigenhändige Niederschrift seines Aufrufs „Be­lagerungszustand-Standrecht“ an die Wiener mit der Aufforderung zum bewaffneten Widerstand. Orig., Papier, 2 Folien, ganz eigenhändig: Staatskanzlei, Wissenschaft, Kunst und Literatur, Fasz. 7. — Nach der Einnahme Wiens durch den Oberbefehlshaber Fürst Windisch- Graetz und den Banus von Kroatien Jellacié am 31. Oktober wurde der revolutionäre Literat verhaftet und am 23. No­vember im Alter von 26 Jahren erschossen. 253. 1848 Oktober 21, Umgebung Salzburgs. Dr. Alexander Bach stellt sich Ministerpräsident Wessenberg für dessen neues Kabinett zur Verfügung. Orig., Papier, 4 Folien, ganz eigenhändig: Staatskanzlei, Interiora Fasz. 100. — Der seit Juli 1848 als Justizminister amtierende Alexander Bach (1813—1893) befand sich am 6. Oktober mit Latour im Hofkriegsratsgebäude. Es gelang ihm, als Amtsdiener verkleidet, über die benachbarte Kirche „Zu den neun Chören der Engel“ zu flüchten. Die nächsten Wochen verbarg er sich in der Nähe von Salzburg. Später hat er die „oktroyierte Verfassung“ vom 4. März 1849 aus­gearbeitet.

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