Österreichische und europäische Geschichte in Dokumenten des HHStA

Hauptraum (Nr. 1–344)

41 111. 1538 Februar 24, Großwardein. Eidesformel des Jo­hann Szapolyai auf den am selben Tag mit Ferdi­nand I. abgeschlossenen Frieden, der Ferdinand nach dem Tod Szapolyais den ungeteilten Besitz Ungarns sichern sollte. Orig., Papier, ganz eigenhändig: Hungarica Fasz. 425, fol. 94. — Dieser Friede sollte die Einheit Ungarns wiederher­stellen. Szapolyai war 1526 von der ungarischen National­partei gewählt und gekrönt worden und hatte seither seinen Rivalen Ferdinand bekämpft. Der Friede mußte vor den Türken geheimgehalten werden, die nur Szapolyai als König und Vasallen anerkannten. König Johann hat sich kurz dar­auf mit Isabella von Polen vermählt, einen Sohn bekommen und diesen Eid gebrochen. 112. 1551 Dezember 17, Alvincz (Siebenbürgen). General Giovanni Castaldo, Marchese di Cassano, teilt König Ferdinand I. unter anderem die Ermordung des Kar­dinals Georg Martinuzzi mit. Orig., Papier, ganz eigenhändig: Hungarica Fasz. 425, fol. 18 f. — Auf Betreiben Bruder Georgs, des Vormunds des jungen Johann Sigismund von Siebenbürgen, hatte Ferdinand im Juli 1551 die Königinwitwe Isabella bewogen, zusammen mit ihrem Sohn auf die ungarischen und sieben- bürgischen Besitzungen gegen die Zusicherung schlesischer Herzogtümer zu verzichten. Der Befehlshaber der Truppen Ferdinands, Marchese Castaldo, mißtraute Martinuzzi und warf ihm ein geheimes Einverständnis mit den Türken vor. Mit einer Vollmacht Ferdinands versehen, ließ Castaldo den Kardinal auf dessen Schloß unter Bruch des Gastrechtes er­morden. Die Schilderung dieser Vorgänge beginnt Castaldo mit den Worten: „A placido a dios de quitar del mundo a fray Giorgio“ (Gott hat es gefallen, Bruder Georg aus dieser Welt zu nehmen). Dieses gewalttätige Vorgehen, das Fer­dinand I. auf kurze Zeit in den Kirchenbann brachte, ver­ursachte den neuerlichen Verlust Siebenbürgens.

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