Walter A. Schwarz: „Vergänglicher Glanz…“, Altösterreichs Orden
KATALOGTEIL - 1. Der Orden vom Goldenen Vlies
1.9 Liste Nominale der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, Wien 1886 1.10 Liste Nominale, der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, um 1869 1.11 Geschichte des Ordens vom Goldenen Vlies Le Baron de Reiffenberg, Brüssel 1830. 1.12 Guillaume Fillastre, Le second livre de la Toison d’Or Pergamenthandschrift in französischer Sprache, 452 Folien; reiche Zierleisten und Initialen, zwei ganzseitige Miniaturen in reich gestalteten Rahmenbordüren mit Blattranken und Wappen, Feuereisen und -stein; Flandern, letztes Viertel 15. Jh., Holzdeckel in rotem Samt. [AOGV Codex 2], Aufgeschlagen: föl. I r Kapitelsitzung. Bei der Gründung des Ordens vom Goldenen Vlies durch Flerzog Philipp den Guten 1431 wurden zwar alle christlichen Rittertugenden und die Sorge um den Schutz der Kirche beschworen, das bildliche Symbol für diesen Sinngehalt wurde jedoch aus der griechischen Antike gewählt: die Argonautensage und deren Field Jason. Erst im Verlauf der folgenden Kapitelsitzungen entwickelten sich die Bezüge auf das Alte Testament, die dann von Guillaume Fillastre, den zweiten Kanzler des Ordens, in einer Festansprache beim Ordenskapitel von 1468 in Brügge vor Karl dem Kühnen auf die oft zitierten fünf Vliese aus der FH. Schrift erweitert wurden. Fillastre schrieb jedem dieser „Vlieshelden“ eine spezielle Tugend zu, so dass schließlich ein ausgewogenes System aller wünschenswerten Rittertugenden erstellt wurde. So stand Jason für Großherzigkeit, Jakob (Genesis 30, 32) für Gerechtigkeit, Gedeon (Richter 6, 36-40) für Klugheit, Mescha, König von Moab (2 Könige 3, 4) für Treue, Hiob (Hiob 31, 20) für Geduld und Langmut, König David schließlich (Psalm 72 [711, 6) für Milde. Karl der Kühne beauftragte Fillastre mit der ausführlichen Darstellung dieser Darlegung in schriftlicher Form zur Befolgung durch die Ordensritter. Fillastre plante für jedes der sechs Vliese einen eigenen umfangreichen Band mit mindestens zwei Abbildungen pro Band. Es sollte jeweils eine historische Darstellung in Form einer Kapitelsitzung der Ritter und eine allegorische Szene ausgeführt werden; diese allegorischen Beispiele waren nicht identisch mit dem Namensträger des jeweiligen Vlieses, sondern entstammten - so weit erhalten - gleichfalls der antiken Gedankenwelt. Obwohl Fillastre sogleich mit der literarischen Ausformung begann, konnte er nur drei Bände vollenden. Das ausgestellte Buch ist Band 2 und zeigt auf Fol. I die 12. Kapitelsitzung 1473 in Valenciennes unter Herzog Karl dem Kühnen. Die Szene gibt vermutlich den tatsächlichen Raum dieser Sitzung wieder, wie die verschiede39