Walter A. Schwarz: „Vergänglicher Glanz…“, Altösterreichs Orden

Einführung in die Geschichte der Orden und Ehrenzeichen - 8. Der Hochadelige Stemkreuz-Orden

nach vom Kreuze Christi stammen sollten, aufbewahrt wurden. Als es in der Nacht des 6., nach anderen Berichten in der Nacht des 26. Februar 1668, im leopoldini- schen Trakt der Wiener Hofburg zu einem Großbrand kam, dem schließlich der gesamte Teil der Burg zum Opfer fallen sollte, nahm man an, dass auch die kostba­re Kreuz-Reliquie ein Raub der Flammen geworden sei. Trotzdem hatte die Kaise­rin den Befehl gegeben, in den Trümmern nach dieser Kostbarkeit zu suchen. Über­aus groß war das Erstaunen, als man fünf Tage nach dem verheerenden Brand die unversehrten Holzstücke in der geschmolzenen Kapsel fand. Kaiserin Eleonore Gonzaga, ein Wunder vermutend, legte den Tatbestand dem Bischof von Wien, Philipp Friedrich von Breuner, zur Begutachtung vor. Der nun eingeleitete Prozess ergab auf Grund eingeholter Gutachten, Anhörung der Zeugen des Brandes und Prüfung aller weiteren Umstände, folgendes Ergebnis: „Das Holz des heiligen Kreuzes sei in wunderthätiger Weise im Feuer erhalten geblieben.“48 Dieses nun von kirchlicher Seite bestätigte Wunder veranlasste nun die Kaiserin einen Orden für adelige Damen zu gründen, dessen Tendenz in erster Linie der Verehrung und Anbetung des heiligen Kreuzes sowie der Pflege des Seelenheiles der damit ausge­zeichneten Damen dienen sollte. Nach Einholung der mit der Bulle „Redemptoris et domini nostri“ ergangenen Bewilligung Papst Clemens IX., Julius Rospigliosi, vom 28. Juli 1668, und dessen Anordnung, dass der Wiener Bischof die kirchliche Auf­sicht über den Orden zu führen hätte, erfolgte zum bereits oben genannten Datum die Stiftung des Sternkreuz-Ordens.49 Kaiser Leopold I. stellte den durch seine Stiefmutter errichteten Orden unter seinen Schutz und erteilte mit Allerhöchster Handschrift seine Bestätigung.50 Der ursprüngliche Name des Ordens, „Versamm­lung der Hochadeligen Frauen unter dem Titel des Sternkreuzes“, wurde später in „Sternkreuzorden“ umgewandelt. Zur ersten Sternkreuzordensdame ernannte die Kaiserin als Protektorin und damit höchste Schutzfrau des Ordens (diese Bezeichnung entspricht der Würde eines Großmeisters) die Gemahlin Kaiser Leopold L, Kaiserin Margarete Therese. Gleichzeitig erhielten auch die beiden Töchter von Kaiserin Eleonore, Eleonore Maria und Maria Anna Josepha, das Ordenszeichen. Voraussetzung, um in diesen Orden aufgenommen zu werden, war ein unter Bei­schließung eines exakt ausgeführten Stammbaumes nebst genauer Wiedergabe des 48 Vgl. Kastner-Michalitschke, Else: Der Stemkreuzorden. Eine Monographie (Wien 18963), S. 11, i. Folg. zit. als Kastner-Michalitschke: Stemkreuzorden. 49 Die Bezeichnung „Sternkreuz“ als Symbol bezieht sich auf ein aus vier hellen Sternen gebildetes und am Südpol zu sehendes Sternbild, auch Kreuzgestirn oder Sternkreuz genannt, hin. Christoph Columbus, der damals vermeintliche Entdecker Amerikas, soll es zuerst gesehen haben, doch scheint es, dass schon Dante in den Versen seines Purgatoris auf dieses Sternzeichen anspielte. Nach Herodot, dem ältesten griechischen Geschichtsschreiber, sollen jedoch bereits phönizische Seeleute unter der Regierung des ägyptischen Königs Necho ca. 600 Jahre v. Chr. bei der Umsege- lung Afrikas das „Südliche Kreuz“ wahrgenommen haben. 50 Vgl. Dikowitsch, Hermann: Der Hochadelige Stemkreuzorden. In: Stolzer/Steeb: Orden, 185, im folg. zit. als Dikowitsch: Stemkreuzorden. 33

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