Walter A. Schwarz: „Vergänglicher Glanz…“, Altösterreichs Orden

Einführung in die Geschichte der Orden und Ehrenzeichen - 3. Der königlich-ungarische St. Stephan-Orden

des letzten noch lebenden Ritters, Linienschiffsleutnant a. D. Gottfried Freiherm von Banfield, am 23. September 1986, erlosch dieser Orden.30 3. Der königlich-ungarische St. Stephan-Orden Der höchste zivile Orden der Monarchie wurde von Maria Theresia aus Vereh­rung für den heilig gesprochenen Gründer des Königreiches Ungarn, König Ste­phan, am Tag der Krönung ihres Sohnes Erzherzog Joseph zum römischen König, am 5. Mai 1764 gestiftet. Großmeister des Ordens sollte auf immer währende Zeiten stets der König von Ungarn sein. Dies war zuletzt Kaiser Karl I., als König von Ungarn seines Zeichens der IV. Der Orden gliederte sich in Großkreuze, Kommandeure und Kleinkreuze. Im § 6 der Statuten wurden die Bestimmungen über die Erlangung des Ordens be­schrieben: Und weil diejenigen, welche durch den Ruhm eines alten Geschlechtes oder den Wert hervorragender Dienste, welche sie leisten, mehr und nähere Gelegenheit haben, sich um die erhabene Majestät und unser Haus verdient zu machen und überdies zu höherer und hervorragenderer Position vor den übrigen gekommen sind, so müssen sie sich mehr und hervorragende Verdienste erwerben. Nach Unserer Meinung ist ihnen daher das Großkreuz und Kommandeurkreuz hauptsächlich zu verleihen. Das Kommandeur­kreuz ist auch anderen, welche die hervorragenden Ämter des Hofes, der Königreiche und Provinzen nicht einnehmen, je nach dem Ausmaße der erworbenen Verdienste zu verleihen. Wir verfügen ferner, daß das Kleinkreuz den übrigen recht verdienten Adeli­gen die öffentliche Ehrung bilden soll. Wenn aber unter jenen, welche in den letzten beiden Klassen eingereiht sind, die vermehrten und gehäuften Verdienste ein höheres Ehrenzeichen zu verlangen scheinen, macht der Orden, welchen sie für ihr Verdienst besitzen, die Erlangung des höheren Grades leichter. Wie der Orden vom Goldenen Vlies, besaß auch der Stephan-Orden ein eigenes Kostüm. Es bestand aus einem vorne rund zugeschnittenen karmesinroten Talar aus Samt, einem bodenlangen, grünsamtenen Mantel mit Hermelinverbrämung und karmesinroter Taftfütterung. Beide Kleidungsstücke sind mit goldenem Eichenlaub bordűrt, der Talar des Großkreuzes zusätzlich mit goldenem Eichenlaub gemustert, während sich die Besitzer des Kommandeur- und des Kleinkreuzes nur durch die Goldstickerei der Borte unterscheiden. Der Kalpak mit breitem Hermelinstulp trug Reiherfedern, die in einer grünroten Hülse steckten. Auf dem Kragen des Mantels der Großkreuze wurde eine Imitation des Ordenssternes (Crachard)31 aufgenäht. Am 23. März 1908 bzw. 23. Februar 1918 wurde die „Kleine Dekoration“ einge­führt. Sie regelte das Tragen des Groß- und des Kommandeurkreuzes zur Felduni­form (Bluse) im Felde und bei Feldübungen. Dazu wurde die Miniatur des Groß­kreuzsternes bzw. für die Darstellung des Kommandeurskreuzes die Miniatur der Stephanskrone auf das Dreiecksband des Kleinkreuzes aufgelegt. Für den Stephan­30 Vgl. B an f ield, Gottfried Freiherr v.: Der Adler von Triest (Graz/Wien/Köln 1984). 31 Crachard = Imitation von Ordensstemen, die statt der Originale auf Kleidungsstücken, wie z. B. auf den Kragen der Ornate, aufgenäht waren. Anm. d. Verf. 23

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