Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 17. (Budapest, 1998)
Ágnes PRÉKOPA: Die Ornamentalisicrung von Motiven in der angewandten Kunst. Automatische Amorettenfiguren an Wiener Kommodenuhren
méthode, welche die Elemente der Genealogie eines Motivs aufgrund direkter und dokumentierter Zusammenhänge erschließt, eignen sich also nur Kunstwerke, die bereits zu ihrer Zeit von herausragender Bedeutung waren. An Kunstwerke, die visuelle Topoi wiederholen und zumeist nicht mit einem Namen in Verbindung zu bringen sind - die zwar in erster Linie um der "Dekorativität" willen entstanden, jedoch entfernte Derivate der "bedeutungstragenden" Werke sind -, muß man auf andere Weise herangehen. Am zweckdienlichsten ist es wohl, wenn man zu dem untersuchten Werk aus einem möglichst weit gefaßten Kreis analoge Motive sucht, das aus diesen entstehende lose Gefuge als Kontext untersucht, ohne der Versuchung der traditionellen Methode zu erliegen, das heißt ohne zu versuchen, eine zeitliche Abfolge der Merkmale, die engere Verbindungen aufweisen, zu erstellen. Nach dieser betont weit gefaßten und zahlreiche Aspekte berücksichtigenden Untersuchung lassen sich dann für den gesamten Kontext geltende Schlüsse ziehen, die so auch auf das im Mittelpunkt der Untersuchung stehende Werk zutreffen können. Diese werden mit Sicherheit keine spektakulären, verblüffenden Ergebnisse sein, können die Auffassung über den betreffenden Zeitstil aber durchaus durch bedeutende Aspekte ergänzen. Auf diese Weise sollte man neben zahlreichen anderen Fällen auch an die oben beschriebenen hämmernden und schleifenden Amorettenfiguren herangehen. Vor der Untersuchung der mit diesen als verwandt zu betrachtenden Darstellungen und Verzierungen soll jedoch kurz darauf eingegangen werden, welch eine besondere und tief verwurzelte Tradition die Uhrwerke und die auf den Uhren dargestellten menschlichen Figuren verbindet - unabhängig davon, ob letztere als betont symbolisch oder eher als Verzierung gemeint waren. Die automatischen Figuren erschienen zu dem Zeitpunkt in der Geschichte der Uhrmacherei und der Mechanik, als es gelang, von einem versteckten Mechanismus angetriebene, sich scheinbar "von selbst" bewegende Figuren zu konstruieren, die mit einer gewissen Selbstverständlichkeit menschliche Gestalt erhielten - zum Beispiel die Apostelfiguren oder die den sieben Wochentagen entsprechenden Planetengötter (die Tagesregenten) oder die schreckerregenden Allegorien des Todes, um nur auf die Traditionen der Turmuhren zu verweisen. Die "selbständig gehenden" automatischen Figuren von menschlicher Gestalt, die Androiden (von denen ein seltenes Exemplar in unserem Museum aufbewahrt wird 3 ), kamen infolge desselben, letztendlich anthropologisch motivierten Bestrebens zustande, das zur Anfertigung von menschenförmigen Uhrgehäusen führte. Hier sind nicht in erster Linie die Figurenuhren der Spätrenaissance oder die von Atlasfiguren, die die Globusuhren halten, gemeint, sondern diejenigen Typen, bei denen das Zifferblatt auf der menschlichen Figur, als eine eigenartige Applikation derselben, vorkommt. Bei dem unter dem Namen Männchenuhr bekannten Typus aus dem 18. Jahrhundert befand sich das Uhrwerk im Bauch der kleinen, oft grotesken Figur aus geschnitztem und gefaßtem Holz, so daß das Zifferblatt ungefähr in der Körpermitte Platz fand. 4 Im Falle der menschenförmigen schwedischen Bodenstanduhren gab es mehrere Möglichkeiten für die Plazierung des Zifferblattes, wobei den Betrachter mit Sicherheit die menschliche Größe der Figur am meisten beeindruckt." Die mit dem Uhrschlag verbundenen bewegten Figuren sind vor allem von den