Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 5. (Budapest, 1977)

RUZSA, György: Drei russische Ikonen mit Silberdecke

GYÖRGY RÚZSA DREI RUSSISCHE IKONEN MIT SILBERDECKE Aus der wenig bekannten Ikonen­sammlung unseres Museums zeigen wir hiermit drei russische silberbedeckte Iko­nen vor. Die Auswahl der ersten wurde durch ihre gute künstlerische Qualität be­gründet, dagegen bei den anderen zwei Ikonen die Tatsache, dass sie mit Decken von hervorragenden Goldschmieden ver­sehen, und daren von demselben Eichmei­ster stammende Marken zu finden sind. Die sog. „Stammbaum Christi'' Ikone 1 (Abb. 1) gehört nicht zu den meist dar­gestellten Gottesmutter-Kompositionen, ei­gentlich treffen wir solche erst unter den späteren Ikonen. 2 In der Mitte der Ikone die Gottesmutter mit dem Jesuskind, über ihnen der Gottvater, weiter der Heilige Geist in Gestalt der Taube, an den Seiten in sog. zweidrittel Lösung die Darstellung von David, Salomo, Mose, Daniel, Jesaja, Jeremia, Gedeon, Habakuk und Elia. Die Darstellung der Ikonenmitte „Got­tesmutter mit Jesu" ist nach dem ikono­graphischen Typ „Snamenie" verfertigt worden. Es ist der Mühe wert einige Worte über diese späten Ikonen zu sagen, über diesen eigenartigen Ikonographie-Typ, der im Zusammenhang mit dem „Gottesmut­ter-Orantin"-Typ ist. 3 In der russischen Fachliteratur wurde der Snamenie Typ fehlerhaft als „Oranta" genannt, nämlich als A. I. Anissimow die berühmte Ikone der Tretjakow-Galerie aus dem 13. Jahr­hundert publizierte' 1 , hat er diese als „Oran­ta" bezeichnet. Man nennt sie auch heute noch traditionell so, obwohl diese einen Snamenie-Typ vertretet. Die „Oranta" stellt die betende Gottesmutter mit aus­gebreiteten Armen vor, doch ohne Jesus­kind. Die Snamenie-Ikone ist der Typ „Gottesmutter des Zeichens", d.h. die mit ausgebreiteten Armen betende Gottesmut­ter im Leib den jungen Jesus darstellend. In den zwei folgenden Teilen des Buches Jesajas finden wir die Quelle dieses Typs: „Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, dei­nem Gott, es sei unten in der Hölle oder droben in der Höhe!" (Jes. 7, 11.) „Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heissen Immanuel". (Jes. 7, 14.). In Russland nannte man übrigens den Snamenie-Typ auch EoropoßHija BoiiAouie­HHC Den Vorfahr des russischen Snamenie­Typs können wir in der byzantinischen Kunst auffinden. In einem Stadtteil Kon­stantinopels, namens Blachernes, stand eine Maria-Kirche, hier wurde der Urtyp 141

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