Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)

LÁSZLÓ, Emőke: Gebilddamaste aus Sachsen und Schlesien

finden sie oft auch in weltlichen Inventaren auf, zusammen mit Verlobungsgesehenken versehen mit Namen und Wappen der Ver­lobten. Die mächtigen, mit Wappen, Jagd­oder Kampfsszenen versehenen — ausseror­dentlich fein und dicht gewebten — Decken gaben die Herrscher als Geschenk einander. Z. B. der aus Kortrijk stammende Pasquier Lamartin bekam zwischen 1607— 1615 meh­rere Bestellungen für grosse Damastdecken, mit denen die Hochadeligen und Herrscher beschenkt wurden, auch er war es, der für den türkischen Sultan eine Decke gewebt hat. Christian IV. König von Dänemark beschenk­te den Zaren Mihail Feodorowitseh mit zwei Damastdecken. 4 Die Eheschliessungen in den königlichen Häusern im 17. Jahrhundert wurden auch mit Wappen, mit Emblemen reich geschmückten Damastdecken vere­wigt. Im 18. Jahrhundert waren die Lieb­lingsthemen der Weber die Verewigung der schicksalentscheidenden Kämpfe und die diese abschliessenden Friedensvertäge. Nebst Kaisern, Königen und Kurfürsten be­sassen auch die Adeligen und die selbstbe­wussten Bürger in ihrem Heim solche Deck­ken, gleichfalls mit Damasten antiker und allegorischer Themen darstellend. In unserer Sammlung bewahren wir einen einzigen Damast — mit biblischen Themen geschmückt — aus reinem Leinen gewebt. 5 Der Rapport des Damastes mit blauer Grund­farbe, weisser Musterung besteht aus 3 Mu­sterreihen (Abb. 1): in der oberen die sym­bolische Darstellung der Stadt Jerusalem, darüber die Aufschrift JERUSALEM, da­runter die Jahreszahl 1765. In der mittleren Reihe die Szene der Auferstehung: der aus dem Grabe heraussteigende Christus, in der Linken die Siegesfahne haltend. Um das Grab liegen drei römische Soldaten am Bo­den, an den beiden Seiten des Grabes sitzen mit Hellebarden Bewaffneten. Über dem Kopf Christi eine Aufschrift: Jesus schwingt die Sieges F ahn. In der unteren Reihe des Rapportes befinden sich zwei Apostelfiguren sich zu einanderwendend, oben die Aufschrift SIMON : PETRUS. Zwischen den Aposteln steht ein Baum mit sich windenden Ästen. Solche Tücher dienten einstens nebeneinan­dergesetzt als Behang hinter den Kirchen­bänken. Ein vormaliger Inventarisierer hielt diese Decke als aus Nordungarn stammen­des Erzeugnis. In Gruppierung und beson­ders in der Komposition der Auferstehungs­szene, aber mit anderen Aufschriften, ähn­elt sich ein spiegelsymmetrisches Exemplar der Krefelder Gewebesammlung 6 , in der un­teren Reihe mit Gestalten Maria und Christi. Diese mit blau-weissem Muster dekorierte Damastdecke ist ein um 1700 in der Ober­lausitz verfertigtes Werk. Die Verzeichnung der Figuren, die Vereinfachung der Darstel­lung — auf dem Krefelder Exemplar sind 4 Soldaten um das Grab, dagegen auf unserem der hinter dem Grab stehende Soldat wird durch eine Blattform ersetzt — beweisen, dass unser Stück eine sächsische oder schle­sische Kopie eines früheren sächsischen Tuches sei. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf Decken, sowohl auch Webwaren die Ve­duten mit Stadtwappen, mit Darstellungen der Legenden bezüglich der Stadt oder mer­kenswerter Gebäuden, oft mit deren Be­schreibungen abgebildet. Einer der schönsten Decken ist unsere Halbseidendamast-Decke, welche die Stadt Görlitz und Umgebung darstellt 7 (Abb. 2). In früheren Zeiten ge­hörte Görlitz zu Meissen, später zu Böhmen, zu Brandenburg, zwischen 1467— 1490 stand mit Schlesien zusammen unter der Herr­schaft des ungarischen Königs Matthias Cor­vinus. Im 18. Jahrhundert ist diese Stadt eine der Zentren der deutschen Damastweberei geworden. Im Mittelfeld unserer Decke er­blicken wir das ferne Bild der ummauerten Stadt, neben deren Türme winzige Buchsta­benzeichen. Weiter kommen um die Stadt 72

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