Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)
SZILÁGYI, András: Ein Silberbecher mit Gravierungen nach Georg Pencz und H. S. Beham
der Herzensfresserin taucht zuerst auf einem aus 1532 stammenden Holzschnitt des Petrarca-Meisters auf. Dieser Stich ist eine jener Illustrationen, welche die im Jahre 1532 erschienene deutschen Ausgabe des PetrarcaWerkes, „De remediis utriusque fortunae" verzieren. 5 Der zweite Teil dieses Werkes spendet gegen die Schicksalsschläge des Unglücks Trost, Der Invidia-Stich gehört zu den Illustrationen des sog. Trostspiegels, d.h. zum zweiten Teil des Werkes von Petrarca. Die steife, krampfhafte Bewegung der ausgestreckten Hand der Penczschen InvidiaFigur, deren Kopie den Becher dekoriert (Abb. 4), weicht von der Gestalt des Holzschnittes ab. Die Figur des Petrarca-Meister hält nämlich ihr Attribut, das Herz in beiden Händen. Die Handhaltung der Invidia-Gestalt von G. Pencz müssen wir auf Grund einer anderen Quelle, eines Gedichtes von Hans Sachs erklären. Das Gedicht stellt eine widerliche, verzerrte, weibliche Figur, die personfizierte Gestalt des Neides vor. 6 Ein für uns wichtiges Detail der bildlichen Beschreibung der Missgestalt ist folgendes: „Sein rechte Hand het es frey offen. .. ". Die „Bedeutung" dieser Geste deckt der Verfasser anlässlich der Vorstellung der charakteristischen Eigenschaften des Neides, in der siebenten Strophe auf: „Des Bilds rechte Hand offen stat, Bedeut das der neyd nichtzet hat Das doch an im zu preysen wer Er ist ganz alles guten 1er. . . "~ Der sitzende Hund zur Linken der Penczschen Figur kommt auf der Illustration des Petrarca-Meisters nicht vor. Der Hund ist ein häufiges Attribut der Invidia-Darstellungen des 15. Jahrhunderts. Aus den zahlreichen Quellen sei ein Detail aus dem Kapitel „Vom Neyd und Hass" des Narrenschiffs von Sebastian Brant erwähnt : „Dürr, mager ist sie, wie ein Hundt . . . " 8 Die Invidia-Figur von Georg Pencz steht unter den zeitgenössischen Darstellungen ähnlichen Inhaltes in enger Beziehung zur Plakette Peter Flötners, der „Allegorie des Neides". Flötners Werk gehörte einst der Medaille- und Plakettsammlung des Hauses Habsburg, gegenwärtig ist es Eigentum des Österreichischen Museums für angewandte Kunst in Wien 9 (Abb. 3). Der ikonographische Typ der Herzensfresserin erscheint in der zweiten Hälfte, bzw. am Ende des 16. Jahrhunderts, auf den Werken der niederländischen und französischen Manieristen. 10 In der Ikonographie des Barocks kommt dieses Thema nicht vor. Auf der Wand des Silberbechers, neben der Invidia-Figur ist die allegorische Frauengestalt des Unglücks (Abb. 6), eine Kopie des Kupferstiches von H. S. Behaut zu sehen (Abb. 5). Sie trägt die häufige Kleidung der mythologischen und allegorischen Gestalten ; Sandalen und ein schleierartiges, weites Kleid. Rechts von ihr im Hintergrund sieht man eine kleine, verzerrte Figur, die sich an das Kleid der Frauengestalt anklammert. An diesem eigentümlichen Beispiel der grotesken Teufelfiguren der Stiche um 1500 ist die personifizierte Figur des Hasses zu erkennen. Diese Deutung wird durch eine Zeichnung der Serie, unter dem Titel „Livre de la Fortune" von Jean Cousin, aus 1568, unterstützt, wo die Aufschrift „Fortuna adversae comités" zu lesen ist. Die Hauptgestalt der Zeichnung ist von allegorischen Figuren, unter anderen „Crainte" und „Ire" umgeben. 11 Auf dem Schnitt Behams, ähnlich wie auf dieser Zeichnung, erscheinen die 1. SILBERBECHER , 16. JH., MUSEUM FÜR KUNSTGEWERBE 34