Dr. J. Nemeskéri szerk.: Die spätmittelalterliche bevölkerung von Fonyód (Anthropologia Hungarica 6/1-2. Budapest, 1963)
hingegen Möglichkeit zur Untersuchung und zum Vergleich des Gebisses der zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Verhältnissen gelebten Menschen. Ein Grossteil der Schädel unserer heimischen anthropologischen Sammlungen wurde von paläostomatologischem Gesichtspunkte aus bereits geprüft (LENHOSSEK /52/, HUSZÁR /27/ und SOHRANZ /50 51, 53/, BRUSZT /13/, KOLLÁR /30/), so können die Ergebnisse der neueren Funde ausser den ausländischen Angaben auch mit diesen vergj ichen werden. Mangels einer allgemein akzeptierten Auswertungsmethode ist der Vergleich allerdings erschwert. Bei der palftostomatologischen Untersuchung der in Fonyód gefundenen Knochenreste gingen wir naoh der von HUSZÁR und SCHRARZ /27/ empfohlenen Methode vor. Im wesentlichen besteht diese darin, dass wir die Zahl der von Zahnfüule (Karies, C) befallenen Zähne und Wurzeln (Radix, R) mit den bei der Untersuchung vorfindbaren Zähnen in Verhältnis stellen, vergleichen wir indessen die zur Lebenszeit verlorenen (zum guten Teil extrahierten, E) Zähne mit der Zahl jener, die im Idealfall vorhanden gewesen sein konnten. Ein integrierender Teil der Auawertungsmethode ist die Tabelle, die die Ergebnisse enthält, in der die Veränderungen den«Zähnen, den Altersgruppen nach und die Zahnkaries der Stelle nach angegeben sind. Anlä3slich einer eventuellen nachträglichen and vergleichenden Untersuchung können in der Tabelle auf diese Weise aucb die Teilergebnisse abgelesen werden; das Gesamtergebnis drückt wiederum die CPE-Indexzahl aus. Aus Tab. 24 geht hervor, H ass sich zur Zeit der Untersuchung in den 90 Schädeln der Erwachsenen insgesamt 1773, also je Schädel durchschnittlich 19,6 Zähne befunden haben.Die Zahl der von Karies befallenen Zähne war nicht mehr als 43, d.h. 2,48 %. Typijch ist die Anordnung der kariösen Zähnet Karies lässt sich vornehmlich an den Molaren und nur an wenigen Prämolaren feststellen, die Frontzähne sind indessen völlig kariesfrei. Am häufigsten kommt Karies am ersten oberen Molar vor, dem folgen der untere sweite, dritte und erste Molar. Am zweiten Prämolar ist in gleicher Weise an der Maxiila und Mandibula in grösserer Zahl als am ersten Karies anzutreffen. An der proximalen Seite der Molaren und Prämolaren ist das Hohlwerden häufiger als an der Kaufläche. Für Zahnhalskariee hatten wir nur einen Fall. Dia kariösen Zähne sind nach Altersgruppen folgendermassen verteilt: juvenis 5, adult 7, matur 30, senil 1. In den untersuchten Gebissen waren 19 Wurzeln (1,07 %) vorhanden. Annehmbar sind die Radizes vorwiegend Überreste von kariösen Zähnen. Die meisten Wurzeln sind als Reste des unteren ersten MolarL anzutreffen. Dies erklärt warum mehr obere erste, untere zweite und dritte als untere erste Molaren kariös waren. Die Krone des Zahnes, der früu, vermutlich als erster Zahn von Karies befallen war, ging bereite vorher zugrunde und zur Zeit der Untersuchung blieb nur mehr die Wurzel zurück. Die meisten Wurzeln wurden in der maturen Altersgruope beobachtet. Fr ontZahnwurzeln, wie auch Karies, waren hier nicht zu verzeichnen. Die Zahl der zur Lebenszeit verlorenen Zähne ist im Vergleich zur Zahnkaries sehr hoch: 122. 4,23 % der Zähne, die im Idealfall vorhanden gewesen sein konnten,ging während des Lebens verloren. Die häufigste Ursache der Zahnlücken dürfte annehmbar die Karies gewesen sein. Lücken konnten möglicherweise auch auf traumatischem Wege oder im vorgeschritteneren Alter als Folge einer Erkrajücung des Zahnbettes entstanden sein.Die Ursache des Zahnverlustee liegt zum Teil in der operativen Entfernung. In uns3ren mittelalterlichen Burgen und Festungen, wo Militär gestanden war, lebte oder kam öfters herum eine Person, die im Zahnziehen bewandt war. Ausaer den Traumata und den Zahnbettkrankheiten führt in längerer Zeit die Karies ohne jeden Eingriff zum langsamen, aber völligen Ausstoss der Wurzeln, zum Zahnverlust. Nach dem Gesamtergebnis der Untersucnungen war 2,48 % der Zähne kariös (C), 1,07 % ihrer bestand eus Wnrzein (R) und 4,23 % wurde zur Lebenszeit verloren (E), insgesamt entspricht dies einem ORE-Index von 7,78. Die Indexzahl gibt Möglichkeit zu einem Vergleich mit Funden, die mit anderer Ähnlicher Methode ausgewertet worden sind. Das Gräberfeld von Fonyód wurde im 12-16.Jahrhundert belegt, die Mehrheit der Fonda stammt jedoch aus dem 14-16.Jahrhundert. Genau aus diesem Zeitraum besitzen wir kein einheimisches, paläostomatologisch aufgearbeitetes Schädelmaterial, über ein solches /erfügen wir erat aus der dieser unmittelbar vorangehenden Periode, aus der Árpádenzeit. Der CRE-Index der Gebisse von 659 Erwachsenen, die von verschiedenen transd^nubianischen Fundorten zum Vorschein gekommen sind, beträft 13,04, ist demnach viel höher als der der Schädelserie von