Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

9Í mit aufopfernder Begeisterung hin. Heinrich hatte einen harten Stand gegenüber der Eifersucht der deutschen Für­sten; um dem Reiche seine alte Glorie wieder zu geben, suchte er eine große Thätigkeit nach Außen, und kein Zeitpunkt schien günstiger, Italien wieder für das Reich zu gewinnen, da der Pabst wie die Italiener der An­maßungen Frankreichs überdrüssig waren. Bevor er jedoch nach Italien zog, stellte er die nöthige Ruhe im Reiche her. In Böhmen herrschte die größte Verwirrung. Hein­rich von Kärnten, Gemahl Annas, einer Schwester des lezten Königs Wenzel, hatte den Wünschen der Böhmen, die ihn selbst herbeigerufen, durchaus nicht entsprochen; roh und wild, wie er war, hatte er viele der böhmischen Großen eingekerkert, und wollte dasselbe an der zweiten Schwester Wenzels, Elisabeth, verwirklichen, weil üe sich nicht zur Heirat mit einem gemeinen Ritter wollte zwingen lassen; sie entfloh, und fand überall Anhang im Volke. Eben hatte Heinrich VH. den Kaiserthron bestie­gen, auf ihn rechneten die Böhmen, und hofften die I8jährige Elisabeth mit Heinrichs 14jährigem Sohne Jo­hann zu vermälen. Die Prinzessin selbst reiste zu ihm und bat ihn um den jungen Knaben. Im ersten Augenblike wies der Kaiser sie zornig zurük, als sei ihr Gesuch der Ehrbarkeit einer Jungfrau zuwider; da traten die böh­mischen Abgesandten vor den Kaiser und wiederholten die Bitte Elisabeths, und der Kaiser gab die Vermälung zu. Der junge Johann, über seine Jahre feurig und tapfer, zog sogleich nach Böhmen, wurde mit Jubel empfangen und schlug die Kärntner aus dem Lande. Am schwierigsten war die Stellung des neuen Kai­sers zum Hause Habsburg, an dessen Spize Albrechts ältere Söhne, Friedrich der Schöne und Leopold, dann eine Tochter Agnes, Witwe des lezten arpadischen Ungar« königs, standen. Heinrich glaubte ein großes Beispiel der Gerechtigkeit geben zu müssen, indem er den Sckatten des ermordeten Kaisers ehrte; er that die Mörder Albrechts in die Reichsacht und bot seinen Söhnen die Hand zu

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