Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

90 Adolf erfreute sich nicht lange seines ehrlosen Raubes, und Erzbischof Gerhard, dessen Vormundschaft sich Adolf ent­ziehen wollte, neigte sich zu Albrecht von Habsburg, rief eine Reichsversammlung nach Mainz ein, entsezte Adolf des Thrones als dessen unwürdig, und erklärte Albrecht zum Könige. Dieser zog nun mit starker Macht gegen Adolf, nachdem er sich durch die Vermälung seiner Toch­ter Agnes mit Andreas, dem Könige von Ungarn, den Rüken gedekt hatte. Es kam bei Worms 1298 zur Schlacht, in welcher Adolf durch eine verstellte Flucht Alberts in die Falle fiel, die Schlacht und nach ritter­licher Wehre durch den Raugrafen das Leben verlor. Wahlspruch: Praestat vir sine paecunia, quam pecuniu sine viro. 28. Albrecht 1. vonOesterreich, zweiter Sobn Ru­dolfs von Habsburg, erreichte dennoch das Ziel, nach dem er nach seines Vaters Tod gestrebt hatte, jedoch ohne dessen Wunsch, die Erblichkeit der Kaiserkrone in seinem Stamme zu verwirklichen. Dagegen suchte er auf jede Weise das Erbe seines Stammes zu vergrößern; was er in Oesterreich mit Kauf und Vertrag erworben hatte, genügte ihm nicht, als Kaiser glaubte er in seiner Macht das Mittel dazu zu finden. Albrecht I., geboren um 1248, erster Herzog von Oesterreich, Krain und Steyer, ward nach Adolfs Tode am 27. Juli 1298 zu Frankfurt von allen Kurfürsten zum Kaiser gewählt und am 24. August zu Aachen von Wiebold, Kurfürsten von Köln, gekrönt. Hatte er früher durch sein Benehmen als Herrscher viele Unzufriedene gemacht, so daß ihm Gift beigebracht wurde, wobei die unvernünftigen Aerzte ihm ein Auge ausge­stochen und ihn bei den Beinen aufgehenkt hatten, um das Gift herauslaufen zu lassen, so gelang es ihm auch jezt nicht, größern Besiz zu erwerben, indem die Eifer­sucht der Fürsten ihn daran hinderte. Als der legte Graf von Holland 1300 gestorben war, wollte Albrecht die Grafschaft als Reichslehen einziehen, allein die nie­

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