Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
87 gegen Rudolf. Auf dem Marchfelde bei Wien kam es 1278 zur Schlacht. Ottokar erlag der Uebermacht, dem Verrath, indem sein bester Feldherr Milota von Diedicz ihn verließ, und der Rache der beiden jungen Mährenberge, indem diese leztern ihn überall im Gedränge der Schlacht aufsuchten und endlich erstachen, wegen dem Morde und der schändlichen Behandlung, welche Ottokar an ihrem Vater geübt hatte. Bei dem großen Siegesfeste in Wien ernannte der Kaiser seinen Sohn Rudolf zum Herzog von Schwaben und vermalte Ottokar's Tochter Agnes mit ihm. Des Kaisers zweiter Sohn Albert erhielt das Herzogthum Oesterreich und die Hand der Elisabeth, Tochter des Grafen Meinhard von Görz, den Rudolf zum Herzog von Kärnten machte; seine fünfte Tochter Klementine vermalte der Kaiser mit Karl Martell, Sohn Karls von Anjou, Königs von Neapel, dies um dem Pabste zu gefallen; seine sechste Tochter Gutta endlich bestimmte er dem Sohne Ottokars, Wenzel, den er nach seinem Siege seinem Eidam Otto von Brandenburg als Vormund anvertraute, der jedoch die Erziehung des Knaben sehr vernachlässigte, so viel Geld und Geldeswerth als möglich aus Böhmen zog, und nur gegen schweres Lösegeld ihn den Böhmen seiner Zeit auslieferte. Von dem Glücke, mit welchem Rudolf seine sechs Töchter verheiratete, mag wohl das Sprichwort herrühren: Tu felix auslria nube, welches in späterer Zeit sich noch oft bestätigte. Des Kaisers erstes Geschäft war jezt, die Fehden int Reiche in Person zu unterdrüken; er zog von Land zu Land, von Reichstag zu Reichstag, um den Landfrieden mit Gewalt zu handhaben. Man hieß ihn das lebendige Gesez — lex animala — eine Menge großmüthiger und gerechter Sprüche und Handlungen wurden von ihm sprichwörtlich und dem Volke war eine Anekdote von ihm mehr werth, als ein großes Institut seiner Vorgänger, und vererbte seine Bewunderung des ritterlichen Kaisers auf die spätere Nachwelt. Zu seinem verdienten Ruhm trug die Einführung der