Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
85 Mainz beim Pabste die Wahl zum deutschen Kaiser auf Rudolf von Habsburg, den einst Friedrich IL 1218 aus der Taufe gehoben hatte. 26. Rudolf Graf von Habsburg, der Stammvater des erhabenen österreichischen Kaiserhauses, war geboren am 1. May 1218 auf dem Schlosse Limburg bei Breisach, und folgte schon tut Jahre 1236 seinem Pathen Kaiser Friedrich II. nach Italien, wo er für seine ausgezeichnete Tapferkeit von ihm den Ritterschlag erhielt. Als Ghibelline hatte er sich den Bann des Pabstes zugezogen; zur Sühne dessen unternahm er an der Seite Ottokars von Böhmen einen Kreuzzug gegen die heidnischen Preußen. Rudolfs Waffenruhm erscholl nun bald im ganzen deutschen Lande, aber auch seine Erfahrenheit in den Geschäften des Friedens wurde allgemein gerühmt. Aber auch der Geistlichkeit machte er sich durch seine Demuth beliebt, nicht allein, daß er mehrere Klöster und Kirchen erbaute, sondern auch einst persönlich ein hohes Beispiel der Frömmigkeit gegeben hatte, indem er einem mit der heiligen Wegzehrung zu einem Kranken gehenden Priester sein Pferd abtrat, und ihn durch einen angeschwollenen Wildbach führte. Solche Tugenden bewogen die in Frankfurt a. M 1273 zum Reichstage versammelten Fürsten, den Grasen Rudolf von Habsburg am 29. September zum Kaiser zu wählen. Als er durch Friedrich von Zollern die Nachricht von seiner Wahl erhielt, belagerte er eben die Stadt Basel, mit deren Bischof er in einer Fehde begriffen war. Als die Kunde davon sich in der Stadt verbreitete, trat Jubel an die Stelle des Kriegsgetöses, die Baseler öffneten freudig ihre Thore und der Bischof rief aus: „Lieber Gott! siz fest auf deinem Throne, sonst erklimmt ihn Rudolf auch noch." Schon am 28 Oktober 1273 ward er feierlich in Aachen gekrönt; da die wahren Reichsinsignien noch in Italien waren und auch das Reichszepter fehlte, nahm Rudolf in dem Augenblike, wo die Fürsten den Eid der Treue