Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

79 Im Jahre 1220 kam er selbst nach Rom, und der Pabst krönte ihn am 22. November. Doch der Kreuzzug kam nicht zu Stande, so sehr der Pabst den Kaiser drängte, bis dicsér dem Pabste 1225 sein Ehrenwort verpfändete, in zwei Jahren den Kreuzzuz um so mehr zu unterneh­men, als Friedrich Jolantha, die Tochter Johannes Don Brienne, des vertriebenen Königs von Jerusalem, int November 1225 in zweiter Ehe zur Gemalin nahm, und sich dadurch Ansprüche an das Königreich Jerusalem aneignete. Der Kaiser betrieb nun den Kreuzzug ernst­lich, doch als er nach dem Oriente abgehen wollte, ver­nichtete 1227 eine furchtbare Pest die Blüte seines Hee­res. Honorius III. starb; ihm folgte Gregor IX., der hartnäkiger als jener, ohne Rüksicht aus die Zeitum­stände den Kaiser wegen des nichterfüllten Versprechens deS Kreuzzuges in den Bann that. Da ließ der Kaiser seine Maske fallen, und sprach in den glühendsten Worten seinen Haß gegen die Hierarchie offen aus. Nicht des Ban­nes wegen, den der Kaiser verachtete, sondern weil er sein Wort gegeben, sammelte Friedrich ein neues Heer und schiffte sich mit selbem 1228 nach dem Orient ein. Hier hatte die Sache für die Christen eine höchst ungün­stige Wendung genommen; der dem Salahedin von Ri­chard Löwenherz abgewonnene Friede war bald wieder gebrochen worden, wovon der Grund in der Zwietracht der verschiedenen christlichen Nazionalitäten lag. Salahedin war gestorben, ihn ersezte der edle Sultan Camel, der aufgeklärt und human gern dem gleichgesinnten Kaiser entgegen kam, der nur seinen Deutschen trauen konnte, indem Templer, Johanniter, der Patriarch von Jerusalem und alle Ausländer auf Befehl des Pabstes von dem Gebannten wichen. Was die Unduldsamkeit der frühern Kreuzfahrer durch keine Gewalt erzwungen, erreichte Friedrich auf friedlichem Wege. Die Thore von Jeru­salem öffneten sich ihm, und mit eigner Hand sezte er sich am 18. März 1229 die Krone des heiligen König­reichs aufs Haupt. Die beiden größten Häupter des

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