Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
70 Wahlspruch zeigt, der sagt: „Der weiß nicht zu regieren, der sich nicht zu verstellen weiß." Die Idee, von der sein Gemüth gefüllt war, wollte die Erfüllung dessen, was schon Karl des Großen Wille war, die Herstellung des römischen Kaiserthums, als einer rein weltlichen Gewalt, im Gegensätze gegen die Gewalt des Pabstes. Diesen Vorsatz auszuführen, stieg Friedrich im Jahre 1154 mit einem prächtigen Heere über die Alpen. — Ohne Widerstand empfing das zitternde Rom den gewaltigen Kaiser in seinen Mauern; der Pabst Hadrian IV. setzte ihm am 18. Juni feierlich in St. Peters Dom die Krone auf, und der Kaiser hielt ihm dagegen den Steigbügel, zum Zeichen, daß die göttliche Gewalt sich nicht im Sattel halten könne, wenn die weltliche ihr nicht helfe. Auch ließ der Kaiser das Bild, welches, wie erwähnt, die Er- niederung des Kaisers Lothars darstellte, vernichten. Allein kaum war die Krönung vollzogen, so brach ein wüthen- der Aufstand der Römer aus; der Kaiser, dessen Pferd stürzte, kam selbst in Gefahr, doch nach einem gräulichen Blutbade siegten die Deutschen, Friedrich aber verließ die unheilvolle Stadt. Auf seinem Zuge nach Neapel kamen Seuchen über sein Heer, er ward zum Rükzuge gezwungen , und erreichte nur unter vielem Streite mit den Italienern, verfolgt von ihrem Fluche Deutschland wieder. Im Jahre 1156 hielt der Kaiser großen Reichstag zu Regensburg, auf ihm erhob er Heinrich Jasomirgott zum Erb-Herzoge von Oesterreich. Im Jahre 1157 zwang er Boleslaw, König von Polen, sich der Oberhoheit des Reiches wieder zu unterwerfen, der er sich entzogen hatte. WladiSlaw von Böhmen, der ihm gegen die Polen bei- gestanden, erhielt die königliche Würde, und nun stillte Friedrich die Fehden Deutschlands mit gewaltiger Hand, indem er hauptsächtlich den unbotmäßigen Adel züchtigte; dadurch machte er Deutschland ruhiger und mächtiger als je. Schon 1158 zog der Kaiser wieder über die Alpen; Otto von Wittelsbach, sein treuster Anhänger, zog voraus und verbreitete den Schreken seines Namens. Die Mai