Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

68 1135, daß darnach gelehrt werde. Wahlspruch: Audi et alteram partém. 21. Konrad lll.von Hohenstaufen, geb 1094 durch seine Mutter Agnes, Stiefsohn des heiligen Leopolds, wurde 1138 von der Partei der Waiblinger (Ghibellinen) zu Koblenz zum Kaiser erwählt, obschon der Wahltag nach Mainz angesetzt war; Konrad 111. war ein der Krone würdiger Fürst, ein schöner feuriger Held, der seinen Muth und Karakterfestigkeit in mancher Noth erprobte. Ihm gegenüber stand die starke Partei der Welfen, von der Herzog Welf eben auch Anspruch auf den Kaiser­thron gemacht hatte. Unter Konrad änderte sich das alte Feldgeschrei der Deutschen: „Kyrie Eleyson", womit sie sich zu Streitern Gottes bezeichnet hatten, in den Ruf: „hie Welf, hie Waiblinger". In den Kriegen zwischen dem Kaiser und dem Herzog Welf war es, daß ersterer den Herzog in Weinsberg 1140 belagerte und die Stadt sich zu ergeben gezwungen war. Der Kaiser gestattete dabei den Weibern freien Abzug, mit dem was eine jede tragen könne. Da nahm die Herzogin ihren Gemahl Wels auf ihre Schultern und alle Weiber ihre Männer desgleichen, und so zogen sie aus der Stadt. Der Kaiser, gerührt durch diesen Zug deutscher Treue, begnadigte Alle und verzieh auch dem Herzog. Inz wischen herrschte große Zwietracht unter den Christen in Palästina, der König von Jerusalem, die Für­sten von Tripolis und Antiochia haderten um Länderbesiz, Johanniter und Tempelherrn waren auf einander eifer­süchtig, und ebenso haßten sich wechselweise Deutsche, Franzosen, Britten, Italiener, Griechen, die hier bei­sammen lebten; auf der andern Seite hatten die Kreuz­züge eine große Bewegung im Morgenlande hervorgebracht; waren die Assassinen unter dem Alten vom Berge den Christen sehr gefährlich, so zog auch Uenki der Sultan von Bagdad mit überlegener Macht heran, und eroberte 1144 Edessa wieder. Pabst Eugen 111. befahl einen

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