Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

55 gensburg beigesezt; mit ihm ging der lezte Sproße vom Geschlechts Karls des Großen zu Grabe. Wahlspruch: Multorum manus, paucorum consilium. 10. Konrad I Herzog von Franken, wurde eben­falls durch des Erzbischofs Hatto*) Einfluß zum Kaiser gewählt, war aber ein Fürst, der seine Würde fühlte und dem die Pflicht des deutschen Kaisers heilig war. Unter ihm wurden die Aemter der Grafen und Markgrafen, welche bisher nur als zeitliche vergeben wurden, als erb­liche verliehen, so in Oesterreich, Kärnten und Tyrol; sie wurden als Lehen auf die Nachfolger fortgepflanzt. Konrad starb kinderlos 919 im 7. Jahre seiner Regie­rung, und empfahl seinen frühern Feind Heinrich, Her­zog von Sachsen, den Ständen des Reichs zu seinem Nachfolger, weil er einsah, daß Niemand den Gefahren, die das Reich umringten, so gewachsen war als Heinrich. Wahlspruch: Fortuna cum blanditur, Fallit. 11. Heinrich I. der Vogler, der erste Kaiser aus sächsischem Stamme, wurde von seiner Wahl zum Kaiser beim Vogelheerde überrascht, daher der Beiname; ein frommer, großmüthiger und weiser Fürst, von hoher, majestätischer Gestalt, der die alten furchtbaren Feinde des Reichs, die heidnischen Slawen, zu Boden warf, dem *) Erzbischof Hatto hat seinen Namen verewigt durch den sogenannten Mäusethurm. Der Sage nach bat bei einer Hungersnoth eine Anzahl Bauern ihn um Brod; er ließ sie in eine Scheuer einsperren und diese anzünden. Als das Geheul der Unglücklichen zu ihm reichte, wo er mit seinen Gästen tafelte, soll er zu diesen gesagt hoben: Hört ihr meine Kornmäuse pfeiffen? Auf diese Worte sei eine unge­heure Schaar Mäuse aus allen Ecken und Wänden auf ihn hervorgeüürzt, daß er sich nicht anders zn retten glaubte, als auf den Thurm, der unterhalb Mainz bei Kaub mitten int Rheine liegt; allein die Mäuse schwammen ihm nach, und sollen ihn dort gefressen h ben-

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