Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

141 ohne sich, im Vertrauen auf die Festigkeit seines Kör­pers, einer ärztlichen Hilfe zu bedienen; die Beschwerden der Reise erhöhten jedoch das Nebel so sehr, daß er in Wels in Oberösterreich liegen bleiben mußte. Dort er­neuerte er noch am 15. Dezember die ewige Erbeinigung der österreichischen Länder mit dem Bischof von Chur und den gemeinen drei Bünden int hohen Rhätien Des Kaisers Krankheit nahm mit jedem Tage zu; der zu spät geforderte Beistand der Aerzte blieb ohne Wirkung; nach einem Leiden von mehreren Wochen ver­schied Marimilian I. am 12. Januar 1519 im sechzig­sten Jahre seines Lebens und im sechs und zwanzigsten seiner Regierung. Noch einige Worte über den ritterlichen Kaiser. Marimilian I. war als Regent klug, entschlossen, thätig; allein in keinem seiner Staaten hatte er freie Hände. Die höchst mangelhaften, jede Kraftäußerung lähmenden Verfassungen legten seinen weisen Plänen immer Hin­dernisse in den Weg; doch that er was er konnte; er begründete nämlich den ewigen Landfrieden, das Reichskam­mergericht , die neue Eintheilung Deutschlands in Kreise, den Reichshofratb und andere wichtige, wohlthätige Ein­richtungen. — In der Kunst Heere zu schaffen und zu bilden brachte es Marimilian zur Meisterschaft. Durch ihn wurde die Organisirung der Truppen zur Wissenschaft erhoben, er selbst erfand neue Arten von Geschüzen, Mörser, Feuerkugeln. Er errichtete bleibende Regimenter Fußvolks, die mit Offizieren verschiedenen Ranges ver­sehen waren; die Reiterei theilte der Kaiser in schwere und leichte, und somit war Marimilian der eigentliche Schöpfer einer neuen Kriegskunst, die in andern Staaten bald Nach­ahmung fand. Des Kaisers zahlreiche Kriegsthaten hatten ihm bei den Zeitgenossen, auch bei den Gegnern, den Ruf eines großen Feldherrn erworben. Wenn er von seinen Kriegsthaten nur geringe Vortheile erntete, so lagen die Ursachen dazu außer ihm; sie blieben auch immer dieselben: steter Geldmangel, schlechte oder gar keine Unterstüzung von

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