Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

132 19. August 1493 starb — im achtundstebenzigsten Jahre seines Lebens und im 54. seiner Kaiserwürde. Die Urtheile der Schriftsteller über Kaiser Fried­rich IV. und seine Regierung sind so verschieden, als der Standpunkt verschieden ist, von welchem sie dabei aus­gingen. Die gleichzeitigen Schriftsteller, meistens int Solde einzelner deutscher Fürsten, klagten - ungerecht wie diese — den eifrigen, wohlmeinenden, nur zu guten, zur Züchtigung der widerstrebenden Vasallen bei weitem zu milden Kaiser als die Ursachen aller Uebel und aller Unfälle an, die dem Reiche widerfahren. Friedrich hatte von der Natur alle äußeren Eigen­schaften empfangen, welche zugleich Ehrfurcht gebieten und Zuneigung und Vertrauen gewinnen: eine hohe Gestalt, einen wohlgebiloeten Körper, ein majestätisches Aussehen, gemildert durch sanftes, herablassendes Beneh­men. Auch die Geistesanlagen dieses Fürsten waren trefflich. Heller Verstand, richtiges Urtheil, tiefes Gefühl für das Große und Schöne zeichneten ihn schon als Jüngling aus; aber mit den fortschreitenden Jahren trat erst der Hauptzug seines Karakters immer deutlicher her­vor: Liebe zur Ruhe, gegründet auf seinen Hang zu wissenschaftlichen Forschungen. Aus diesem folgte später­hin Bedächtlichkeit im Reden und Handeln, Unentschlossen­heit, Langsamkeit bei der Ausführung endlich gefaßter Beschlüsse, wodurch der Gang aller Regierungsgeschäfte verzögert, oft der rechte Moment versäumt wurde; dies besonders im deutschen Reiche, wo Uneinigkeit, Eifersucht, Trägheit, der Uebermuth und Ungehorsam der Fürsten, die Widerspänstigkeit der Städte, die Raub- und Fehde­sucht des Adels, den wolgemeinten Vorschlägen des Kaisers unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellten. Aber eben des Kaisers zu große Güte trug zum Ver­fall des kaiserlichen Ansehens bei, und die lange Reihe unglüklicher Kämpfe und Kriege raubte demselben vollends jeden Glanz. Und dennoch hat der Kaiser für Deutsch­land vieles Gute und Große gewirkt, und nur die Schuld

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